Elder – Omens

| 23. April 2020 | 0 Comments
Elder

(c) Gaël Matthieu

Wenn die eierlegende Wollmilchsau namens Elder reitet, will man sich in Deckung bringen. Der ausladende, Jam-inspirierte Sound zwischen Prog, Stoner und Psych bringt kleine Kunstwerke im XXL-Format hervor und bemüht sich laufend um neue Herangehensweisen an vertraute Motive. Nun musste – erstmals seit 13 Jahren – das Line-up zwischen zwei Alben verändert werden. Neu an Bord sind Gitarrist Michael Risberg und Schlagzeuger Georg Edert, an der musikalischen Grundausrichtung hat sich beim US-Quartett aber relativ wenig verändert: Auch „Omens“ setzt den Trend der reduzierten Stoner-Einflüsse konsequent fort.

Natürlich nehmen sich Elder abermals alle Zeit der Welt mit fünf Exkursen von knapp zehn bis zu annähernd 13 Minuten Spielzeit. Man nimmt sich die Muße, die Arrangments behutsam aufzubauen und konsequent zu intensivieren, und der eröffnende Titelsong „Omens“ erledigt genau das. Das beinahe spacige Intro entführt in unendliche Weiten, dahinter wird es verspielt und prog-rockig mit aufwühlend-sehnsüchtigem Gesang, von immer härter werdenen Gitarrenwänden begleitet. Kurze Zäsuren, ein monströses Space-Prog-Solo und der für kurze Zeit durchaus vertrackte Schlussabschnitt nehmen alles mit.

Wobei, es muss nicht immer in media res sein, zumindest wenn es nach dem US-Quartett geht. „Embers“ legt die sprichwörtlichen Karten sofort auf den Tisch, wirkt ungewohnt heavy und druckvoll, bevor die Strophen mit feiner Klinge statt Aufbruchsstimmung kokettieren. Und das ist nur der Anfang, denn in weiterer Folge legt die Band immer neue Klanglawinen frei. Der ausladende Psych-Jam, die Stoner-Wand, das ausufernde Solo, die legeren Muskelspiele, die wilde Griffbrettreiterei – und trotz allem bleibt der Song entspannt, sinnig arrangiert, ein Fels in der chaotischen Brandung.

Über weite Strecken tun Elder nur so, als würden sie ausrasten, und rücken die Stoner-Jams stärker denn je in den Hintergrund. Mit dem erneuerten Line-up und von den etwas experimentelleren „The Gold & Silver Sessions“ hörbar beeinflusst, entpuppt sich „Omens“ über weite Strecken als lupenreine Prog-Album, das bevorzugt in ausladenden Arrangements versinkt. Deutliche 70s-Einschläge, krautige Psych-Zäsuren und letzte Drucksalven geben sich die Klinke in die Hand für eine weitere großartige Platte – eben Kopfkino der gekonnten Art, wie man es von Elder mittlerweile gewohnt ist.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.04.2020
Erhältlich über: Stickman Records (Soulfood Music)

Website: beholdtheelder.com
Facebook: www.facebook.com/elderofficial

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Category: Magazin, Reviews

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