Pale Horseman – For Dust Thou Art

| 29. Juli 2020 | 0 Comments
Pale Horseman

(c) Derek Joseph Quint/Addovolt Productions

Nach all den Jahren sind Pale Horseman immer noch ein Geheimtipp. Das Quartett aus Chicago spielt seinen Sludge etwas verquer und mit einem Hauch Industrial angereichert, veröffentlicht in Eigenregie und macht mit schierer Wucht und Intensität alles flach. Auf „The Fourth Seal“ zeigten sie sich nach einem ersten kleinen Durchhänger leicht erholt, schon geht es wieder mit gewohntem Elan nach vorne: Das mittlerweile fünfte Studioalbum „For Dust Thou Art“ setzt den misanthrop-apokalyptischen Weg souverän fort.

Die kompakte Wucht von „Tundra“ beantwortet ungestellte Fragen. Im Prinzip hat sich nicht übermäßig viel geändert, denn die zittrige October File-Wut schwingt nach wie vor mit, ein Hauch Godflesh zerlegt die schlammige Ursuppe und sorgt in Verbindung mit den beklemmenden Melodie-Anflügen für gruselige Gänsehaut. Die stellenweise mehr ausgespuckten und gechanteten als gesungenen Vocals passen natürlich perfekt ins Bild. Und dann folgt die urplötzliche Entschleunigung, wenn das erste Mammut „Scourge“ den doomig-finsteren Aspekt des Genres betont. Eine filigran gezupfte Akustikgitarre setzt angenehme Akzente, bevor sich der Ritt gen Höllenschlund fort.

In ähnlicher Intensität gehen Pale Horseman auch den Rest der Platte an. Wie sich „Vagrants“ wiederholt entlädt und dabei dennoch nahezu statisch bleibt, unterhält. Klar, der Sound ist weiterhin etwas fahrig und stellenweise dünn, doch gerade dieses kleine Manko konnte sich mittlerweile zur Stärke der US-Amerikaner entwickeln. Luftige Schwere – das dürfte eigentlich nicht funktionieren, geht jedoch über Umwege auf. Ähnliches serviert „Disenchanter“, stellenweise die Intensität einen Ticken nach oben schraubend und dicke Gitarrenwände mitten in die Echokammer werfend.

Echte Neuigkeiten bleiben aus, werden allerdings zu keiner Zeit vermisst: Auf „For Dust Thou Art“ setzen Pale Horseman ihren Weg zwischen einbetonierten Stühlen fort. Zentnerschwere emotionale Wände turnen durch die komplexen, leicht fahrigen und doch voluminösen Arrangements, von zittriger Industrialnote abermals ergänzt und zugleich ins Gegenteil verkehrt. Der harmonische Widerspruch der Dissonanz bekommt dem Quartett gut – eine der besten Bands des Genres und doch weiterhin nur eine unverdiente Fußnote.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.07.2020
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Facebook: www.facebook.com/palehorsemanband

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Category: Magazin, Reviews

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