October File – The Application Of Loneliness, Ignorance, Misery, Love And Despair – An Introspective Of The Human Condition

| 28. Mai 2014 | 0 Comments

October File

Jene unheilige Allianz aus Post Punk und Industrial Metal, die October File auf ihre Platten bannen, ist eine Seltenheit geworden. Direkt durch Killing Joke inspiriert, feiern die nach einem Die Kreuzen-Werk benannten Briten ihr zehnjähriges Jubiläum mit einem neuen Album. Der Titel an sich lässt sich nicht ohne Waffenschein lesen: „The Application Of Loneliness, Ignorance, Misery, Love And Despair – An Introspective Of The Human Condition“. Dahinter steckt die längst überfällige Tilgung des überraschend durchwachsenen „Our Souls To You“.

Vor vier Jahren, das war einfach zu viel. Nicht nur, dass der Noise-Mix von Justin K. Broadrick auf der zweiten CD an die Substanz ging, semi-instrumentale Avantgarde-Loops mit anstrengender Überlänge ließen die Platte schlecht altern. Ausladend wird es auf „The Application…“ ebenfalls, wenn auch im deutlich akzeptableren Rahmen. „To Be Watched Upon“ und „The Water“ spielen sich knapp unter bzw. knapp über der Zehn-Minuten-Marke ab, verstehen es jedoch, entsprechende Loops derart martialisch und zerstörerisch zu gestalten, dass sie ihren Zweck erfüllen.

Als Highlights kristallieren sich jedoch abermals jene Tracks heraus, in denen es verhältnismäßig schnell zur Sache geht. Der Opener „I Fuck The Day“ – die neue Montagshymne – bringt die Essenz dieser Platte schnell auf den Punkt, weiß aber ebenso zu überraschen mit einem kleinen, Synthi-lastigen New Wave-Part. Noch überraschender ist nur das vier Minuten lange, rein akustische Zwischenspiel „Upon Reflection“, wenngleich letztlich zu lang. Wütende Wellenbrecher wie „Reinvention“, „All Rise All Fail“ und das überlebensgroße, immer wieder aufs Neue explodierende „Heroes Are Welcome“ zeigen dafür, wo der imaginäre Hammer hängt.

Was October File auf dieser Platte machen, ist freilich nur bedingt originell – zu oft hat man diese Brachialattacken von dröhnenden Drums, schneiden Gitarren, Psychoterror-Melodien und Ben Hollyers wütenden, rauen Schreien gehört, zu präsent ist der Dauervergleich mit Killing Joke. Und doch lässt „The Application…“ einen mehr als deutlichen Aufwärtstrend erkennen, weil die Briten weitestgehend auf unnötige Avantgarde- und Noise-Exkurse verzichten. Die überlangen Songs sind nicht immer schön anzuhören, fallen aber wohl gelungen aus, dazu stimmen die obligatorischen Industrial-Hits mit Metal-Crunch einmal mehr gut gelaunt – vielleicht sogar die bislang beste Platte des Quartetts.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 30.05.2014
Erhätlich über: Candlelight Records (Soulfood Music)

Website: www.octoberfile.co.uk
Facebook: www.facebook.com/octoberfile

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Category: Magazin, Reviews

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