Pale Horseman – Mourn The Black Lotus

| 7. Juli 2014 | 0 Comments

Pale Horseman

So ausgelutscht gewisse Aspekte mittlerweile auch sein mögen, so produktiv ist das Sludge-Genre nach wie vor. Gerade abseits der bis zur Unkenntlichkeit geweiteten Pfade lassen sich faszinierende Vertreter finden. Dazu zählen auch Pale Horseman aus Chicago. Das US-Quartett arbeitet vornehmlich autark, so auch bei Produktion und Veröffentlichung des eponymen Debüts vor einem Jahr. Nun ist mit „Mourn The Black Lotus“ ein Nachfolger gelandet, auf dem die Amerikaner unbeirrt ihren Weg weitergehen – mit Industrial-Einflüssen, deprimierender Schwere und apokalyptisch-misanthropen Texten.

Wenn „Evidence Of A Severe Stoning“ nach langem Intro mit martialischer Brutalität und leicht industrieller, geschickt eingesetzter Eintönigkeit losstampft, erinnert das schon mal an October File als direkte Nachfolger des Killing Joke-Wahnsinns. Die geschrienen, beinahe gechanteten Vocals von Eric Ondo und Flesh tun ihr Übrigens dazu. Gewöhnen muss man sich einzig an das schmalbrüstig produzierte, abflachende Schlagzeug – eine überaus mittelprächtige Note eines ansonsten überzeugend auftretenden Kraftpaketes. Godflesh und die Melvins lassen grüßen.

In dieser Gangart geht es weiter, wobei Pale Horseman zeigen, dass sie gleichermaßen den unterkühlten Gitarrensound der frühen Metallica sowie den nervenzerfetzenden Noise-Wahnsinn von Neurosis verinnerlicht haben. „Conquistador“ bringt diese beiden Welten zusammen, unterstützt von sägenden Sludge-Gitarren und zäher Gleichmäßigkeit. Dabei ist es keineswegs so, dass die US-Amerikaner ausschließlich auf dieses faux-monotone Auftreten aus sind. „Grudgulence“ bricht dieses Korsett im Kleinen auf, während „Clairvoyant“ mit bleiernem Doom-Groove und Verzweiflung eine sympathisch moderne Messe zelebriert, bevor der Track zehn Minuten lang gen Instrumental-Kakophonie und nervliche Belastung abdriftet.

Auch das ist Chicago-Sludge, dieses sinnesbetäubende Ungetüm, vor dem man unweigerlich kapituliert, bevor der erwartet schroffe Remix von Justin K. Broadrick zu „Fork In The Road“ als Bonus-Track der geistigen Gesundheit den Todesstoß versetzt. „Mourn The Black Lotus“ ist kein Album für gut gelaunte Menschen oder Berufseuphoriker, es ist ein schroffes, beklemmendes Abbild der Realität, unnachgiebig, beängstigend, übermannend. In diesem kaputten Wahnsinn liegt die Stärke der US-Amerikaner. Schnellhörer und Häppchen-Konsumenten machen am besten einen weiten Bogen um diese Platte und lassen jenen Sludge-Interessenten, die sich bevorzugt mit menschlichen und gesellschaftlichen Abgründen befassen, den Vortritt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 07.07.2014
Erhätlich über: Eigenvertrieb (DL)

Facebook: www.facebook.com/palehorsemanband

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Category: Magazin, Reviews

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