Bear – Propaganda

| 8. Mai 2020 | 0 Comments
Bear

(c) Stef Exelmans

Seit mittlerweile einem Jahrzehnt veröffentlichen Bear aus Antwerpen regelmäßig Wahnsinnstaten, die an Mathcore, Metalcore, Noise Rock, Groove, Prog und Djent andocken, wenn nicht gerade ein urplötzlicher Kurswechsel neue, noch schrägere Klänge offenlegt. Auf ihrem vierten Album widmet sich das Quartett nun, dem Titel entsprechend, „Propaganda“ in sämtlichen Formen. Von mehr oder minder unterschwelligen Werbebotschaften bis zu politischer Ideologie findet sich aufwühlendes Chaos in Bild und Ton, denn selbst Videos und Artwork verfolgen dieses ansprechend ganzheitliche Konzept.

Musikalisch hat sich auf den ersten Blick nicht allzu viel geändert, die Belgier scheinen ihr bisheriges Schaffen weiter zu vertiefen. „Apollo’s Heist“ wirkt von der ersten Sekunde an kratzbürstig und unruhig, reiht deutliche Unsane-Einflüsse an wütende Core-Elemente und lässt das Chaos eine kleine Pause einlegen – zumindest im Vergleich zur restlichen Platte. Da geht es schon mal deutlich derber zur Sache, wie es „Gutter Love“ recht sympathisch auf den Punkt bringt. Das nahezu durchgehende Sperrfeuer, wiederholte Tempoverschärfungen und ruppige Groove-Eruptionen bemühen komplette Zerstörung am laufenden Band.

Einer der besten Songs der neuen Platte wartet gleich zu Beginn: „Dissolve Dissipate“ bringt alles mit, was Bear ausmacht. Es beginnt mit der eierlegenden Wollmilchsau, die sich Hals über Kopf ins Geschehen stürzt, nur um am Höhepunkt einen melodischen, unerwartet eingängigen Refrain aus den Squeals zu schälen. Tödlicher Zement-Groove und noisiges Sperrfeuer zersetzen den charmanten Einspieler sofort. In „Engine“ ist die versuchte Eingängigkeit von Anfang an eingebaut, nur um tiefer und tiefer in der Dissonanz zu versinken, welche schließlich nahezu nahtlos in „Kuma“ übergeht. Auch hier brennt sich der Chorus ein, Erinnerungen an Boil werden wach.

Eigentlich sollte – und dürfte – der Sound Bears nicht mehr überraschen. Die musikalische Evolution beschränkt sich dieses Mal vor allem auf die Details und so fehlt der Aha-Effekt des grandiosen „///“ zunächst. Nach und nach erobert „Propaganda“ jedoch verlorenes Territorium zurück. Die Songwriting-Brillanz ist nach wie vor vorhanden, das kontrollierte Chaos ebenso, dazu kommen noch packendere Melodien mitten im kompletten Wahnsinn. Ein weiteres Mal legen die Belgier eine kurzweilige, technisch anspruchsvolle Abrissbirne mit Herz und Hirn vor und fügen ihrer ohnehin bereits kurzweiligen Diskographie ein weiteres starkes Kapitel hinzu.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 08.05.2020
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/bearpropaganda

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Category: Magazin, Reviews

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