Port Noir – The Dark We Keep

(c) Port Noir
Seit mittlerweile weit über einem Jahrzehnt köcheln Port Noir ihr ganz eigenes Prog-Süppchen. Die Zutaten der Norweger veränderten sich im Laufe der Zeit stark. In den Anfangstagen durfte beispielsweise ein knackiger 80s-Einschlag samt Synthetik nicht fehlen, später wurden die Songs härter, vertrackter und zugleich eingängiger. Modern und experimentell zeigt sich auch ihr neuester Streich: „The Dark We Keep“ folgt der Maxime, deutlich härter und direkter klingen zu wollen, ohne dabei die Einflüsse und Entwicklungen der letzten Platte zu ignorieren. Was sich einigermaßen abstrakt liest, ist tatsächlich hörbar gelungen.
„Noir“ verkörpert diesen Ansatz wie nur wenige andere Tracks. Drückende, derbe Djent-Wucht erfasst mit einer regelrechten Druckwelle, dann sorgen feinsinnige Keys und die ausdrucksstarke Stimme von Love Andersson für eine deutlich weichere Noten. Krasse Gegensätze kollidieren, ein Sturm zieht auf und trifft auf eine clevere, anspruchsvolle Hook. Ein stetes Hin und Her, dazu ein feines Breakdown und der brutale Zwischensprint mit Double-Bass-Salven – fertig ist eine kleine Monstrosität. Die Art-Rock-Fanfaren des folgenden „Ebb And Flow“ halten dagegen, holen etwas Kopfstimme dazu und breiten schließlich einen weiten, alles überstrahlenden Klangteppich aus. Neben zwischenzeitlicher Härte glänzen Port Noir in dieser Episode mit der ganz feinen Klinge, mit melodischer Magie.
In ähnlichen, gerne unvorhersehbaren und stets kraftvollen Gefilden spielt sich die gesamte Platte ab. So liebt beispielsweise „Reverie“ seinen schwerfälligen Unterbau, dessen Heavyness auf dezentes Pop-Appeal trifft. Urplötzlich einsetzende Uptempo-Exkurse setzen hymnische Passagen frei, kurzzeitig grüßen Haken, später sogar Voyager. Die Urgewalt trägt „Bloodlust“ im Namen, übt sich ansonsten aber in vornehmer Zurückhaltung. Eine weitere moderne Prog-Hymne samt grandioser Gesangsperformance ist das Ergebnis. Hingegen täuscht die anfängliche Elektronik des Openers „Complicated“. Zwar kehren Port Noir gerne mal zu dieser zurück, setzen insgesamt aber wesentlich lieber auf erstaunlich vertrackte Härte mit fast Math-artigen Ausritten.
So vielfältig und vielschichtig hat man Port Noir vielleicht noch nie gehört, und das ist eine wundervolle Sache. Ihre Mission, diese neue Platte unmittelbarer und wuchtiger anzugehen, konnten die Norweger tatsächlich erfolgreich umsetzen, ohne ihr Händchen für feine Melodien, proggige Exkurse und faszinierende synthetische Spielereien einzubüßen. „The Dark We Keep“ hat alles, was man sich von den drei Herren aus dem Norden erhofft, insgesamt einen Tacken songdienlicher, zugleich proggig und anspruchsvoll, etwas retro und dabei angenehm modern umgesetzt. Allerlei Gegensätze kommen erfolgreich zusammen für das wohl bislang beste Album von Port Noir.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 15.05.2026
Erhältlich über: InsideOutMusic (Sony Music)
Website: www.portnoir.com
Facebook: www.facebook.com/portnoirofficial


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