Envy – Fallen Crimson

| 5. Februar 2020 | 0 Comments
Envy

(c) Pelagic Records

Die Jahre seit dem Release von „Atheist’s Cornea“ waren überaus ereignisreich für Envy. Mehrere Gründungsmitglieder gingen Ende 2015 von Bord, auch Sänger Tetsuya Fukagawa verabschiedete sich für zwei Jahre, nur um am 1. April 2018 wieder offiziell zurückzukehren. Mit neuen Musikern, einem erholten Frontmann und einem frischen Line-up widmeten sich die Japaner „Fallen Crimson“ und begehen nun ihren 25. Geburtstag mit einem vielschichtigen, urtypischen Powerhouse.

Wie sich für Envy gehört, könnte die Platte kaum abwechslungsreicher und komplexer sein. Momente puristischer Schönheit nehmen beinahe idyllische Züge an. Das mit Frauengesang ausgestattete „Rhythm“ arbeitet mit klassischen Post-Rock-Mustern, himmlischen Momenten und Sanftmut, der erst zum Ende hin ein paar Ecken und Kanten verpasst bekommt. Dem gegenüber steht das ruppige „Fingerprint Mark“. Vom wüsten Auftakt über die hektischen Drums bis zur wiederholten Bemühung explosiver Gitarrenwände mit durchaus schwarzmetallischen Untertönen reizen die Japaner die Möglichkeiten bis zum Maximum aus.

Zwischen diesen beiden Extremen tummeln sich faszinierende Momente zuhauf. „A Step In The Morning Glow“ braucht sehr lange, um halbwegs in Schwung zu kommen, bevor erhabene Schönheit mit wüsten Growls kollidiert – beinahe doomiger Post Metal mit geradezu majestätischer Wucht. Ähnliche Intensität entfaltet „A Faint New World“, das insgesamt auf mehr Härte, mehr Druck und frontale Präsentation setzt. Das Ergebnis hört sich im besten Sinne ruppig und atemlos, findet in „Dawn And Gaze“ schließlich eine packende Fortsetzung. Hier entladen sich auf dem Höhepunkt bewegende Melodien wie ein Irrlicht im Nebel.

Ruppige Wucht trifft auf die Fragilität des Moments und fasst Envy im Jahr 2020 prima zusammen: Etablierte Welten kollidieren wiederholt miteinander in vertrauten, dennoch frischen Gefilden. Die Rundumerneuerung tat den Japanern hörbar gut, und so wirkt „Fallen Crimson“ bei aller hymnischer Sperrigkeit packend und wie aus einem Guss. Die konsequente Ausreizung von Extremen bewegt, auch wenn der Sound etwas mehr Druck und Ausdifferenzierung vertragen hätte. Dennoch – oder vielleicht sogar gerade deswegen – packt dieses Geburtstagswerk zu und lässt nicht mehr los.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 07.02.2020
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Website: envybandofficial.com
Facebook: www.facebook.com/envyOfficial.jpn

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Category: Magazin, Reviews

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