Kolari – Fear/Focus

| 16. August 2017 | 0 Comments
Kolari

(c) Robin Helm

Warum benennen sich fünf junge hanseatische Post-Hardcore-Heroen nach einer kleinen Gemeinde im finnischen Lappland? Kolari gibt es erst seit drei Jahren, nun erscheint das Debütalbum beim Hamburger Edel-Label Sportklub Rotter Damm. Von Begriffen wie ‚Sozialkarate‘, ‚Wutsushi‘ und ‚Ellenbogenliebe‘ ist die Rede, von Querverweisen auf Gallows und Defeater. Tatsächlich wirkt „Fear/Focus“ bei aller Vertrautheit stets sympathisch eigenständig und verpasst der Szene einen wertvollen Arschtritt.

Beim wuchtigen „Cupid’s Poisoned Arrow“ angefangen, stürzen sich Kolari Hals über Kopf ins Vergnügen. Ihren mal manischen, mal hymnischen Post-Hardcore-Sound vermengen sie mit einem Hauch Mathcore und Punk – voll auf die Zwölf, leicht durchgeknallt und gerade deswegen so sympathisch. In diesen eröffnenden fünf Minuten frühstücken die Hanseaten weite Teile ihres musikalischen Spektrums ab: eingängige Momente und sperrige, philosophische Interludes, die wiederum mit Hackbrett-Arbeit und einem Hauch von Polyrhythmik kollidieren. Klingt kompliziert, wirkt zuweilen eine Spur atemlos und macht doch richtig Laune.

„A Modest Proposal“ fasst die rasenden und doch Ohrwurm-tauglichen Attacken des Quintetts vielleicht am besten zusammen. Was zu Beginn wüst und schroff wirkt, verdichtet sich mehr und mehr zu einem dicken Hit samt Klargesang. In der Video-Auskopplung „Mainline Your Job“ brodelt es förmlich. Stets der Explosion nahe, reihen Kolari Gang-Shouts an Stakkato-Riffing, kleinere Breakdowns und einen Hauch von Melodie. „Culling The Herd“, „Pay The Rant“, „Rise Of The Indecent“ – sie alle schlagen präzise und mit wechselnder Intensität ein.

Mit der Zeit grooven sich Kolari ein, das Überraschungsmoment geht ein wenig verloren. Routine also in der Hansestadt? Mitnichten, denn bei aller mehr und mehr durchschimmernder Strukturierung bleibt „Fear/Focus“ weiterhin auf gewisse Weise unberechenbar und brandgefährlich. Wütende Zuckungen, komplexe Arrangements und unverschämt melodische Ohrwurm-Momente erzeugen Hits und Wellenbrecher am laufenden Band. Und das soll wirklich ‚erst‘ der Einstand sein?

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 18.08.2017
Erhältlich über: Sportklub Rotter Damm (Indigo)

Website: www.kolari.de
Facebook: www.facebook.com/kolariband

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Category: Magazin, Reviews

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