The Dagger – The Dagger

| 25. Juni 2014 | 0 Comments

The Dagger

Nicht zum ersten und sicherlich auch nicht zum letzten Mal ist an dieser Stelle von Gigaten wie Iron Maiden, Judas Priest und Diamond Head die Rede, ohne dass auch nur eine dieser drei Bands ein neues Album am Start hätte. Aktuell erfreut sich 70s-Hard Rock und 80s-Metal mit NWOBHM-Schlagseite wieder besonders großer Beliebtheit. Hinter The Dagger stecken allerdings keine Jungspunde sondern aktuelle und ehemalige Mitglieder von so illustren Bands wie Grave, Sideburn, Necronaut und Dismember. Schlicht „The Dagger“ betitelt, beginnt eine kleine Zeitreise in zehn Episoden.

Prunkstück des Quartetts ist Sänger Jani Kataja (Mangrove, Sideburn), der schon bei seinen anderen Bands jene Mischung aus klassischen Metalgesten und Blues-Schwulst eingebracht hat, die nun unter anderem Höllenritten wie „Skygazer“ zugute kommt. Irgendwo zwischen Deep Purple und Rainbow angesiedelt, geben sich im ausladenden Solopart Gitarre und Hammond-Orgel die Klinke in die Hand – ein sehr typisches und lange Zeit vermisstes 70s-Ritual. „Electric Dawn“ im direkten Anschluss pflügt in aller Direktheit und Bissigkeit verschiedenste NWOBHM-Äcker um – bedingt kreativ, wohl aber sehr unterhaltsam.

Überraschend stark sind The Dagger in der vielleicht schwierigsten Disziplin dieser musikalischen Felder: der Ballade. So plakativ „Ballad Of An Old Man“ auch betitelt sein mag, die leidenden Strophen und das lupenreine Black Sabbath-Riff im Refrain verfehlen ihre Wirkung nicht. Rundherum schneidern die Skandinavier den einen oder anderen Leckerbissen. „Dog Of Warning“ und „Inside The Monolithic Dome“ decken den bleiernen Opulenz-Sektor ab, „Ahead Of You All“ ist ein lupenreiner Firestarter und „Dark Cloud“ ein feister Speed-Metal-Vorfahre.

Freilich, originell ist das alles nicht so wirklich. „The Dagger“ wirkt wie eine Sammlung aus Zitaten, die allerdings feingeistig und mit offenkundiger Liebe zum Detail zu einem neuen, nicht minder attraktiven Teppich zusammengesponnen worden sind. Auch wenn, abgesehen von „Ballad Of An Old Man“, ein wirklicher Standout fehlt, zeigen die Ballerburg-Veteranen der nordischen Metalszene eine Form von musikalischer Schizophrenie, die man angesichts entsprechender Entwicklungen in den vergangenen Jahren wohl als Phänomen bezeichnen darf: Extreme-Metaller, die sich klassischen Jugendlieben widmen. Unterhaltsam sind sie allemal, die Herrschaften.

Wertung: 7/10

Erhältlich ab: 27.06.2014
Erhätlich über: Century Media (Universal Music)

Facebook: www.facebook.com/daggerofficial

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Category: Magazin, Reviews

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