Amalthea – In The Woods

| 31. Januar 2014 | 0 Comments

Amalthea

Hier ist ein Name, den man sich als Prog- und Postcore-Fan künftig merken muss: Amalthea aus Göteborg gibt es zwar bereits seit zehn Jahren – sogar ohne Lineup-Veränderungen, eine echte Rarität –  das letzte Album hat jedoch bereits knapp sieben Jahre auf dem Buckel, die EP „The World Ends With You“ erschien 2011. Wenn man von diesem Quartett bislang noch nichts gehört hat, so dürfte sich das demnächst ändern. Bewusst haben sich die Schweden von ihrem alltäglichen Leben distanziert und eine Platte unter der Prämisse kompletter Isolation aufgenommen, fernab jeglicher Zivilisation. „In The Woods“ erscheint somit als programmatischer Titel und zeigt, welche Bandbreite Postcore bzw. Post Metal 2014 umfassen kann.

Viel untypischer könnte ein Postcore-Album allerdings kaum anfangen. Im „Rain“ das Openers verlieren sich Amalthea zehn Minuten lang, reihen psychedelisch angehauchte Gitarren an Blechbläser-Klänge – ein TexMex-Albtraum aus den späten 60ern. Nach knapp vier Minuten wird ein imaginärer Schalter umgelegt, wütende Screams und verschachtelte Drumsalven zerlegen die nach wie vor leicht entrückten Riffs – U.S. Christmas treffen auf Across Tundras – mit Genre-typischer Wut. Dass danach die Rückkehr zu ruhigeren, rockigen Klängen mit betörendem Klargesang zelebriert wird – eine angenehm bizarre und unorthodoxe Episode. Dieser ruhige, verhalten radiofreundliche Duktus setzt sich auch auf „The Fall“ fort, das zwar zwischendurch kleinere Breach-Episoden andeutet, im Großen und Ganzen jedoch becircende Sumpf-Psychedelica beibehält.

Wenn die Schweden wollen, können sie sich und ihren Hörern Feuer unter dem Allerwertesten machen. „Vapour“ beginnt beispielsweise mit umgekehrten Vorzeichen, setzt auf die ungefilterte Hässlichkeit des Genres, bevor in einem klassischen Moment of Zen sakraler Pop-Gospel das sprichwörtliche Auge des Hurrikans heraufbeschwört – ein kurzer Zwischenstopp, bevor abermals mit wütenden Screams und Isis-Melodien gen Weltuntergang gedonnert wird.

Die Kunst dieser Platte ist das Wechselspiel zwischen Gut und Böse, Laut und Leise, Schönklang und ungefilterter Wut. Ob man, wie in „End“, neun Minuten lang einen Kadaver über schroffe Felslandschaften zerrt, oder im über weite Strecken verträumten „Field“ der versammelten Post Rock-Konkurrenz die Hölle heiß macht, ist eigentlich egal. In jeder musikalischen Lebenslage fühlen sich Amalthea hörbar wohl. „In The Woods“ ist dennoch ein sehr schweres Album, das mehrere Durchläufe benötigt, um einigermaßen zu zünden; zu verstörend, zu speziell mutet dieser Psychedelic-Postcore-Hybrid anfangs an. Mit jedem Durchlauf fällt Schicht um Schicht des überaus dichten Sounds von Magnus Lindberg (Cult Of Luna) ab, wird der weiche, verwundbare Kern der jeweiligen Songs freigelegt. Eine derart emotionale, schwierige, lohnenswerte, kathartische Platte hat man lange nicht mehr gehört. Amalthea – diesen Namen muss man sich wahrlich merken.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 31.01.2014
Erhätlich über: Moment of Collapse Records (Hoanzl)

Website: www.amalthea.cc
Facebook: www.facebook.com/amaltheamusic

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Category: Magazin, Reviews

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