Abrams – Blue City

| 24. Mai 2024 | 0 Comments
Abrams

(c) Guy Casavan

Riffgewalt für Feinschmecker, das scheint mittlerweile zum Mantra von Abrams geworden zu sein. Das fleißige Quartett aus Denver, Colorado glänzte zuletzt vor etwas mehr als eineinhalb Jahren mit „In The Dark“, das Stoner-Schwere und Desert-Chic mit Metal, Shoegaze, Psychedelic und zig weiteren Einflüssen kombinierte. Die Fortsetzung gibt sich weltoffen und klaustrophob, und zwar nicht nur musikalisch. „Blue City“ befasst sich mit einem kalten, dennoch vertrauten Ort, an dem man sich paradoxerweise zuhause fühlt, den man wegen der Angst vor dem Unbekannten aber auch nicht verlassen will.

Mindestens so starker Tobak ist die Musik, die gefühlt noch mehr will und versucht. „Fire Waltz“ ist ein echter Wellenbrecher an zweiter Stelle, der so ziemlich alle Qualitäten dieser Platte in etwas über vier Minuten vereint. Ein quengeliges, selbstzerstörerisches Riff trifft auf ätherische und zugleich angriffslustige Stoner-Psych-Vocals, während der rhythmische Ausbruchsversuch den Weg gen Explosivität führt. Im Quasi-Chorus wird es groß und hymnisch, bevor die nächste Zäsur aufbegehrt. Eine regelrechte Gitarrenwand in der Schlussminute, von Heavyness und Wahnwitz durchzogen, setzt dem Geschehen die Krone auf, bevor eine Überdosis Melodie geschickt erstickt.

Sympathische Widersprüche gehören bei Abrams einfach dazu, verleihen ihrem neuesten Streich die nötige Würze. So beginnt „Turn It Off“ zurückhaltend, groovt mit Blues- und Grunge-Note, bevor eine frontale Explosion für kurze Zeit wie wild um sich schlägt. „Narc“ gibt sich im direkten Anschluss fast durchgehend der psychedelischen Nachdenklichkeit hin, schwebt in gänzlich anderen Sphären und macht damit ebenso viel richtig wie der Opener „Tomorrow“, dessen Gitarre zwischenzeitlich in eine Echokammer stolpert und damit den Grundstein für atemberaubende Soli liefert, die durch diese Wechselwirkung noch wuchtiger rüberkommen. Ähnliches gilt für „Lungfish“, das nur langsam aus seiner Scheinstarre erwacht und durch die Decke geht.

Nicht zum ersten und sicherlich nicht zum letzten Mal servieren Abrams verdammt starken Tobak, dem man sich nicht so leicht entziehen kann. „Blue City“ spielt mit der Kälte des Seins, entdeckt in ihr Momente des heimeligen Wohlgefühls und versucht dennoch wieder und wieder den Ausbruch. Verstärkte Psych-, Grunge- und Desert-Einflüsse passen da wunderbar ins Bild, ergänzt durch scharfkantige Riffs und wütenden Stoner mit Sludge-Einschlag. Wiederholte Häutungen, proggig angehauchte Wendungen und eine schier unüberschaubare Menge an Ideen verhelfen Abrams einmal mehr zu höchsten Höhen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.05.2024
Erhältlich über: Blues Funeral Recordings (Cargo Records)

Website: www.abramsrocks.com
Facebook: www.facebook.com/abramsrock

Slider-Pic (c) Guy Casavan

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Category: Magazin, Reviews

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