Deftones – Ohms

| 25. September 2020 | 0 Comments
Deftones

(c) Tamar Levine

Deftones sind erklärte Meister der Geheimniskrämerei, wenn es um neue Musik geht. Mit den Arbeiten an einem Nachfolger für „Gore“ wurde bereits 2017 begonnen. Heavier sollten die neuen Songs werden, mit anderem Songwriting-Fokus und einem Chino Moreno, der etwas weiter in den Hintergrund rücken wollte. Tatsächlich konnte das Quintett Terry Date verpflichten, mit dem man letztmals 2003 ein Album produzierte (das bis heute unveröffentlichte „Eros“ ausgeklammert). Nach ausgiebigem Social-Media-Rauschen steht „Ohms“ nun endlich in den Läden und hält sämtliche Versprechen.

Tatsächlich dreht bereits der Opener „Genesis“ die Uhr zurück. Das ominöse, ausgedehnte Intro führt auf die falsche Fährte, dann entladen sich erste Druckwellen. Moreno schreit und kreischt in bester „White Pony“-Manier – passend zum 20jährigen Jubiläum dieser legendären Platte – zugleich bieten sich weit offene Flächen für feinsinnigen Gaze-Rock. Der Spagat zwischen zugespitzter, überdrehter Wut und gefühlvoller Dichte haut sofort rein. Ähnliches serviert „The Spell Of Mathematics“, eine Wand von einem Song. Die druckvolle, monolithische Präsentation kann Unbehagen verursachen, schließlich scheint sich der schwerfällige Groove-Hammer anfangs kaum zu bewegen. Frank Delgados geschicktes Sampling und ein wenig Aufbruchsstimmung in den Zäsuren deuten einen doppelten Boden an, zum Ende hin wird es geradezu trippy und entspannt.

Man darf sich bei Deftones eben nie sicher sein, wohin die Reise tatsächlich geht. Diese vorhersehbare Unvorhersehbarkeit begleitet einen der besten Songs dieser neuen Platte, „Radiant City“. Vergleichsweise kompakte dreieinhalb Minuten bemühen sich um vollkommene Eingängigkeit in so ziemlich allen Härtegraden und schälen einen überlebensgroßen, dennoch understateten Refrain aus dem Dickeit. In „Urantia“ geht es hingegen aufbrausend mit Thrash- und Punk-Einflüssen los, nur um kurz vor der gigantischen Implosion in vertraute Gaze-Metal-Gefilde abzudriften. Und dann ist da natürlich noch der überlebensgroße Titelsong, interessanterweise am Ende platziert. Der Vorbote führt Mastodon-artiges Riffing ein, ohne dabei komplett aus dem ohnehin weitgesteckten Mikrokosmos auszubrechen. Das mutet kurios ein, brennt sich aber in jeder Mini-Abfahrt von neuem ein.

Es setzt also schwere Kost der bekömmlichen Art – genau das, was man sich von Deftones erwartet und erhofft. Tatsächlich schraubt „Ohms“ den Härtegrad nach oben, wählt jedoch ein behutsames Vorgangen und setzt frische Akzente mit Bedacht. Die schiere Soundwand unterhält abermals, die plötzlichen Stimmungswechsel zwischen einem aufgeladenen, wütenden Chino Moreno und durchaus trippigen Gaze- sowie Groove-Momenten wirken on point. Streng genommen hat sich nicht viel getan – vertraute Rückgriffe kollidieren mit konzentrierter Fortführung der jüngeren Platten – und doch ist hier alles dabei, was man sich Deftones ausmacht. Komplett frisch und doch mehr als vertraut, diesen Spagat schaffen nur wenige, ohne dabei zu langweilen. „Ohms“ ist ein weiteres starkes Kapitel im ohnehin bereits illustren Katalog der kalifornischen Veteranen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 25.09.2020
Erhältlich über: Reprise Records (Warner Music)

Website: www.deftones.com
Facebook: www.facebook.com/deftones

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Category: Magazin, Reviews

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