SIBIIR – Ropes

| 3. Oktober 2019 | 0 Comments
SIBIIR

(c) Johnny Vaet Nordskog

Wut, Hass, Ranz und Verzweiflung triefen dieser Band aus allen Poren: Mit ihrem Debütalbum sorgten SIBIIR aus Norwegen bereits für Aufmerksamkeit. Auf Hardcore-Basis aufgezogener Black-, Death- und Thrash Metal bemühte sich um maximale Brachialgewalt mit finsteren Untertönen. Erinnerungen an aktuelle und ehemalige Labelmates, wie Livstid, Agenda und Okkultokrati, werden auch beim Nachfolger wach. „Ropes“ befasst sich mit dem vorhersehbaren Zusammenbruch der Gesellschaft.

Neun wütende Kapitel pendeln zwischen aggressivem Vollsprint und aufwühlendem Knochen-Groove. Der Opener „Leeches“ fällt in erstere Kategorie. SIBIIR betonen den schwarzmetallischen Aspekt ihres Sounds, der auf diesem Zweitling noch stärker durchschimmert, und lassen wütend brodelnden Hardcore-Unterbau mit komplettem Chaos kollidieren. Fiese Melodien, kurze Breaks und bekömmliche Vielschichtigkeit begleiten diesen Track. Als krasses Gegenstück etabliert sich „Blurred Flicking Pictures“. Der Sechsminüter bäumt sich langsam, geradezu vorsichtig auf, hält das Tempo weitestgehend niedrig und versucht mit seiner entschleunigten, zähen Energie in die Knie zu zwingen.

Dieser gefühlt konstante Angriff, egal in welchem Tempo oder Sub-Genre, macht die Norweger gleichermaßen spannend und gefährlich. Wenn in „A Trail Of Failed Attempts“ beispielsweise ein wenig Klargesang durchscheint – wohlgemerkt hinter kehligem Gekeife versteckt – sorgt das für Begeisterung, nur um die zarte Flamme der Hoffnung sofort wieder zu ersticken. In „Old Patterns“ rocken SIBIIR stellenweise fast schon, lassen den Punk-Aspekt ihres Hardcore-Ansatzes durchscheinen, finden sogar einen weiteren eingängigen Moment. Ehe man sich versieht, bricht das monumentale wie zermürbende Arrangement aber schon wieder zusammen, einem Kartenhaus aus Gebeinen gleich.

Kondensiertes Wechselspiel aus Genie und Wahnsinn auf Vinyl-Ideallänge gebannt: So oder so ähnlich lässt sich der Zweitling von SIBIIR zusammenfassen. Die Mannen aus Oslo dringen noch tiefer in die schummrig-stachelige DNA ihres Sounds ein und fördern neue Untiefen zutage, von angedeuteter Melodik gekonnt begleitet. „Ropes“ ist fies, kaputt, unnahbar und doch frontal; macht süchtig und treibt Schindluder mit dem Seelenleben. Die Norweger reihen sich somit locker in die Riege der eingangs erwähnten Labelmates ein – musikalisch, konzeptuell und qualitativ.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 04.10.2019
Erhältlich über: Fysisk Format

Website: www.sibiir.com
Facebook: www.facebook.com/sibiir

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Category: Magazin, Reviews

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