Noorvik – Omission

| 2. Oktober 2019 | 0 Comments
Noorvik

(c) Tonzonen Records

Große Post-Rock-Kunst hat einen Namen: Noorvik. Benannt nach einer Stadt in Alaska, debütierte das Kölner Quartett im vergangenen Jahr mit einer instrumentalen Wundertüte, die sich ordentlich Platz für pointierten Aufbau und ausladende Klangflächen nahm. Auf „Omission“ will man nach eigenen Ausgaben nun sämtliche Extreme intensiver ausloten. Mehr Ruhe, mehr Reduktion, aber auch mehr Härte und Geschwindigkeit finden hier ausreichend Platz, um sich frei zu entfalten.

Tatsächlich gelingt dieses Unterfangen gar hervorragend. Wie sich der Opener „Floating“ – einer von vier Songs auf dieser Platte, jeder zwischen acht und knapp zehn Minuten lang – in aller Gemächlichkeit aufbäumt, feinsinnige Melodieteppiche anstimmt und schließlich über die experimentierfreudige Rhythmusabteilung zur angenehm intensiven, schroffen zweiten Hälfte findet, macht Laune. Erste Double-Bass-Salven und wütende Attacken, die mit Post Black Metal kokettieren, bereiten auf das weitere Geschehen vor. Dieser kleine Wutausbruch zum Ende hin erweist sich als Noorvik’sches Trademark und kommt auch, wenngleich etwas vertrackt, in „Above“ sehr gut. Hier bemüht sich der Mittelteil um Fragiliät, erweist sich als Auge des Sturms.

„Hidden“ setzt hingegen neue Härtemaßstäbe. Schön früh wird auf entsprechende Sounds hingearbeitet, schön breitbeinig und schweißgebadet. Kleinere Zäsuren laden zum Verschnaufen ein, bevor das Finale ordentlich Fahrt aufnimmt und das Hackbrett mit auf den Weg nimmt. Das abschließende „Dark“ legt zwar bärbeißig los, verliert sich aber schnell im großen Drama. Reduzierte Melodien und schwerfällige Moll-Noten geben sich die Klinke in die Hand, stellenweise fühlt man sich an die instrumentale Magie von Apocalyptica erinnert. Solch semi-klassische Ansätze kollidieren mit einer kurzen, heftigen Eruption, welche unter die Haut geht.

„Omission“ klingt so, wie man sich das erwartet hat: Noorvik bauen auf ihrem bereits kurzweiligen Debüt auf und gehen weiter in die Tiefe. Ob laut oder leise, schnell oder langsam, hart oder herzlich – das Feingefühl für ausladende Klangteppiche, das Herz für kleinere Hackstückarbeiten und die Liebe zum urtypischen Post-Rock-Aufbau bleiben bestehen. Unterm Strich ergibt sich ein erwartungsgemäß richtig gutes Album mit sympathischen Mogwai-Momenten und angenehm überraschenden Exkursen in verhalten metallische Gefilde – eben ein packendes Happening, das mehr denn je auf einen potenziellen modernen Klassiker in der Bandzukunft hindeuten könnte.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 04.10.2019
Erhältlich über: Tonzonen Records (Bertus)

Facebook: www.facebook.com/noorvikband

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Category: Magazin, Reviews

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