Condenados – The Tree Of Death

| 16. Januar 2017 | 0 Comments
Condenados

(c) Shadow Kingdom Records

Chilenische Metal-Bands sind nach wie vor eine Seltenheit. Neben einer durchaus spannenden Thrash-Szene um Nuclear, Criminal und Pentagram geht es in Südamerika auch durchaus doomig zu. Condenados haben sich der klassischen Schule der Düsternis verschrieben und erinnern ein wenig an Candlemass sowie die Anfänge von Cathedral. Nach mehrjähriger Ruhe meldet sich das südamerikanische Trio mit „The Tree Of Death“ zurück.

In knapp 35 Minuten tanken sich die Südamerikaner durch reihenweise 80s-Doom-Referenzen. Prunkstück ist freilich der epische Opener. „Star Of Punishment“ erstreckt sich über neun Minuten und gibt den Takt vor. Fernando Vidals kraftvoller, dramatischer Gesang würde auch bei skandinavischen Giganten funktionieren und könnte mit ein wenig Finetuning sogar in typischen Heavy-Metal-Gefilden eingesetzt werden. Marschierende Drums, Riff-Leidenschaft, großer Weltschmerz und leicht räudiger Underground-Charme erzeugen eine durchaus authentische Zeitreise, bei der dennoch Bauchgefühl über Kalkül triumphiert.

Mit einigen kürzeren Tracks zwischendurch kreieren Condenados die Illusion von Radiofreundlichkeit. Wenn Vidal in „Sea Of Fire“ zeitweise gegen sich und seine Bandkollegen ansingt, während Riffs und Rhythmik ungewöhnlich hart ausfallen, oder „Demon’s Head“ seine Muskeln spielen lässt, stimmt alles. Natürlich bleibt es rundherum episch. Als weiteres Highlight kristallisiert sich „The Lamb“ heraus. Instrumentales Understatement und große gesangliche Gesten sorgen für Gänsehaut.

Natürlich kann man über die Originalität dieses 80s-Doom-Revival streiten, doch die musikalische Qualität von „The Tree Of Death“ ist über jeden Zweifel erhaben. Freilich, etwas, nein, deutlich mehr Musik hätte es schon sein dürfen, denn für Doom-Verhältnisse sind 35 Minuten EP-Spielzeit. Angesichts hoher Hitdichte, herausragender Vocals und maximaler Emotionalität bei gleichzeitiger Riff-Dynamik mutiert der langsam anrollende Nachschlag der Chilenen zur ersten doomigen Kaufempfehlung des noch jungen Jahres.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 13.01.2017
Erhältlich über: Shadow Kingdom Records (Download-Album)

Facebook: www.facebook.com/condenadosdoom

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Category: Magazin, Reviews

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