Wrekmeister Harmonies – Light Falls

| 13. September 2016 | 0 Comments
Wrekmeister Harmonies

(c) Katie Hovland

In seinem Buch „Ist das ein Mensch?“ beschreibt Holocaust-Überlebender Primo Levi das Grauen seiner Zeit im KZ Auschwitz. Das Eröffnungsgedicht aus diesem autobiographischen Werk diente JR Robinson als Quell der Inspiration für das mittlerweile fünfte Album von Wrekmeister Harmonies. Auf „Light Falls“ vertont er, unter anderem von Dauer-Mitstreiterin Esther Shaw unterstützt, das Gefühl langsamer und schleichender Veränderungen – ein Leitmotiv, das freilich bestens zum doomigen Wrek-Sound passt.

Der dreiteilige Titeltrack, ein Wunderwerk von insgesamt 21 Minuten, bildet die gewaltige Einstiegshürde und zeigt auf weitestgehend instrumentale Weise, wie sich Robinson diesen schleichenden Wandel vorstellt. Doom wird zu Drone, experimentell angehauchte Soundscapes lüften nur langsam dem Nebel. Gelegentlich tritt die eine oder andere Gitarre zum Vorschein, verleiht schroffe, geradezu forsche Untertöne. In den letzten Minuten des dritten Teils tauchen sogar verkappte melodische Elemente aus, wohl aber entstellt und verzerrt.

Etwas konventioneller und greifbarer hingegen die zweite Hälfte, vor allem das vorab ausgekoppelte „Some Were Saved, Some Were Drowned“. Wütende, verzweifelte Klänge zitieren Neurosis und Minsk, der drohende Kollaps liegt nahe. Robinson beschreibt hier ein Gefühl innerer Zerrissenheit – selbst hat man überlebt, doch so viele andere habes es nicht geschafft. Ist es Schuld? Ist es Melancholie? Ist es Angst vor Überlebensfreude?

Es ist dieser Zwiespalt, der sich durch „Light Falls“ zieht und jedem einzelnen Track eine bittersüße wie monumental ergreifende Note verleiht. Der Protagonist weiß nicht so recht, wie ihm geschieht, warum sich die Welt um ihn herum verändert, so zäh und anfangs unscheinbar dies auch geschieht. Hinter der wechselnden Besetzung von Wrekmeister Harmonies stecken Klangarchitekten mit Grundverständnis um die emotionale Wirkung von Musik, ja sogar von einzelnen Tönen. In seiner Gesamtheit, nach mehreren, sich wiederholenden Durchläufen, wächst „Light Falls“ zu einem eindrucksvollen und herrlich bedrückenden Monstrum an.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.09.2016
Erhältlich über: Thrill Jockey (Rough Trade)

Website: www.wrekmeisterharmonies.net
Facebook: www.facebook.com/wrekmeisterharmonies23

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Category: Magazin, Reviews

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