pg.lost – Versus

| 12. September 2016 | 0 Comments
pg.lost

(c) Pelagic Records

Endlich ein eigenes Studio – für pg.lost die Möglichkeit, sich voll und ganz auf die Aufnahmen zu einem Nachfolger des herausragenden „Key“ zu konzentrieren. Mehr Studiozeit bedeutet gleichzeitig auch mehr Möglichkeiten zu grübeln. Außerdem lebt Gitarrist Mattias Bhatt aktuell in London, weswegen ungewöhnlich viele Songideen in Solo-Sessions in den eigenen vier Wänden entstanden sind. Sämtliche Begleitumstände lohnten und lohnen sich auf jeden Fall musikalisch, denn auch „Versus“ begeistert.

Der Albumtitel entstammt dem gleichnamigen Song, der zwei komplett konträre Ideen aufeinandertreffen lässt. Bereits bei den ersten Noten des Achtminüters, wie auch auf dem Rest des Albums, fällt die stärkere Synthi-Präsenz auf. Dafür ist vor allem Bassist Kristian Karlsson verantwortlich, der zuletzt als Keyboarder mit Cult Of Luna tourte. Eine elektronische Verweichlichung des Bandsounds muss aber keinesfalls befürchtet werden, denn zwischen der ruhigen ersten Hälfte und dem wuchtigen, zuweilen gar metallischen zweiten Teil wachsen pg.lost über sich hinaus. Immer wieder kehren sie zu einem harmonischen Leitmotiv zurück, auch in ihren härtesten Momenten.

Auf rein narrativer Ebene spielen die Schweden aktuell sowieso ganz weit vorne mit. Wie der Opener „Ikaros“ in bester Post-Rock-Manier sein anfangs sanftmütiges und doch forschendes Kleid abstreift, um treibende Rock-Klänge zu offenbaren, die sogar bis zum Noise-Chaos führen, ist gleichermaßen klassisch wie betörend schön. Auch das spannende „Along The Edge“ will hervorgehoben werden, das mit seinem scharfkantigen Auftreten durchaus an Russian Circles erinnert. Es geht stetig voran, unaufhörlich, von schwerfälligen wie leicht metallischen Untertönen geprägt und begleitet.

Vielleicht ist „Versus“ insgesamt das härteste, forscheste Album von pg.lost, durch die verstärkte synthetische Dimension zugleich aber auch verspielter. Wo Collapse Under The Empire zuletzt mit kleineren Problemen zu kämpfen hatten, strecken sich die Schweden erfolgreich gen Decke und reißen diese einfach ab. Das Resultat: ein weiterer Überflieger mit verhaltenem Klassikerpotential, ohne Frage einer der sympathischten Post-Rock-Releases des Jahres und zugleich Vorbote eine heißen Herbsts.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 16.09.2016
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Website: www.pglost.com
Facebook: www.facebook.com/pglost

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Category: Magazin, Reviews

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