Leprous – The Congregation

| 19. Mai 2015 | 0 Comments
Leprous

(c) Henrik Fjortoft

Der rasante Aufstieg von Leprous scheint kein Ende zu nehmen. Nach „Tall Poppy Syndrome“, „Bilateral“ und „Coal“ holen die norwegischen Prog-Hoffnungsträger nun zum nächsten Nackenschlag aus und scheuen sich dabei abermals nicht moderne Mittel einzusetzen. „The Congregation“ kombiniert Muse-Bombast und -Falsett mit Djent-Elementen, unterkühlter Elektronik und einer Reise durch mehrere Prog-Dekaden.

Herrlich stockend, leicht verkopft eröffnet „The Price“ diese 65 Minuten lange Jagd und konzentriert sich nach vergleichsweise belanglosem Blubbern auf Einar Solbergs einzigartige Stimme, die per se in hohen Registern angesetzt ist, und doch immer wieder das Falsett ansteuert. Flirrende Melodik und herrlich getragene 70s-Elemente tragen zum kompakten Eindruck dieser Wundertüte bei. Noch eine Spur eigentümlicher ist „Within My Fence“, der mit Abstand kürzeste Track dieser Platte. Dredg lassen grüßen, wobei so mancher Moment an das fehlgeschlagene Pop-Experiment der zuletzt viel zu schweigsamen US-Amerikaner erinnert.

Von Vergleichen und wirren Einflüssen darf man sich nicht außer Tritt bringen lassen, denn Leprous haben längst drei Ecken weitergedacht. Zu den Highlights dieser Platte zählt das dramatische Epos „Moon“, das im Refrain die dramatische neue Schule um Karnivool abgreift und zwischendurch Symphony X grüßt. „The Flood“ hingegen ist einer der modernsten Tracks auf „The Congregration“ mit seinen tiefen, sägenden Gitarren und immer wieder auftretenden Djent-Patterns, die von atmosphärischen Synthis regelrecht zerschossen werden.

Wo Liserstille falsch abgebogen sind, machen Leprous alles richtig. Zugegebenermaßen fehlt mittlerweile der Überraschungseffekt früherer Werke, was das hier Gehörte aber keineswegs schlecht machen soll. „The Congregation“ hält, mit kleineren Durchhängern im einen oder anderen Track, die Spannung, bäumt sich mächtig auf, wirkt gleichermaßen unnahbar wie vertraut, komplex wie zugänglich. In den Norwegern steckt noch mehr, das lässt sich herausfiltern, zumal dieses vierte Album in seiner Wucht und Opulenz stellenweise zu erdrücken droht. Am brillanten Songwriting und der geschickten Verbindung aus Spieltechnik und Harmonie gibt es aber nichts zu rütteln.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.05.2015
Erhätlich über: InsideOut Music (Universal Music)

Website: www.leprous.net
Facebook: www.facebook.com/leprousband

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Category: Magazin, Reviews

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