(Van) Tempest – //transitions.

| 7. April 2014 | 0 Comments

(Van) Tempest

Ist das hier wirklich noch Musik aus Österreich? Zugegben, im breit gestrecken Post-Metal-, Post-Hardcore- und Ambient-Feld tut sich hierzulande vergleichsweise wenig, echte Highlights sind rar gesät. Ausgerechnet ein Ein-Mann-Projekt ändert nun die Vorzeichen. Hinter (Van) Tempest steckt Jörg Varga (ehemals u.a. Horns Of Hattin und Devastating Enemy), der seine komplette erste EP mit Looper, Delay und einem viersaitigen Bass eingespielte hat. Den direkten Nachfolger „//transitions.“ (dt. „Übergänge“) bietet er abermals als Gratis-Download ein und greift nun zu mehreren Instrumenten, um ein, wie Varga es nennt, „musikalisches Erwachsenwerden“ zu vertonen.

Varga will sich, in Anlehnung an den klassischen Eltern-Kinder-Generationenkonflikt, von seinen musikalischen Idolen lossagen und weiterentwickeln, nur um schlussendlich zu erkennen, seinen Vorbildern in gewisser Hinsicht doch zu ähneln. Am deutlichsten wird dieses Phänomen in „He Collected Stars“, Lantlôs gewidmet und dessen Song „Eribo: I Collect The Stars“ nachempfunden. Wie Lantlôs-Mastermind Herbst findet sich auch im Schaffen von (Van) Tempest jene auf den ersten Blick absurd erscheinende Zusammenführung von musikalischen Extremen, die theoretisch nicht zusammenpassen sollten, es vielleicht aber gerade deswegen tun. So auch in besagter Hommage: Ruhige, beinahe zeitlupenartige Noten, zartes Mäandern wird von genretypischen Ausbrüchen, von kleinen Explosionen erschüttert, wohl aber nicht zerstört – ein Spannungsverhältnis, das im Übrigen ebenso auf dsa faszinierende Artwork von Branka Dujakovic zutrifft.

Es ist eine ganz eigene Form der Harmonie, die sich auf „//transitions.“ ausbreitet und Song für Song neu definiert wird. Das von Norbert Leitner (u.a. We Are The Enemy) produzierte Album beginnt mit gut neun Minuten fragiler, stellenweise ambienthaft sägender Instrumentalarbeit, programmatisch „Slowly But Steady“ betitelt. Erst gegen Ende von „Wander East Until It Turns West“ folgt die erste kleine Explosion, getragen von schlichten, peitschenden Drums. Das erste von drei Sprachsamples – in diesem Fall aus dem Film „Lawrence von Arabien“ – stört den Fluss nur oberflächlich. Diese Wortspenden intensivieren das Geschehen, behandeln Vargas Sicht auf Musik und Kunst und bieten gleichzeitig schier unendlichen Spielraum für Interpretationen.

Je länger die Platte dauert, desto härter, desto druckvoller wird sie. „Trauerspiel“ marschiert mit bleiernen Gitarren und betretener Doom-Stimmung voran, bevor maritimie Isis-Gitarren die Spannung gen Siedepunkt treiben. Nach ca. fünf Minuten folgt ein Bruch, vielleicht auch einer jener dem Album innewohnenden Übergange. Für kurze Zeit ballert angeschwärzter Post-Hardcore aus den Boxen, weiterhin ohne Vocals, weiterhin dezent selbstzerstörerisch. Die finale Abnabelung erfolgt schließlich mit „Leaving Idols (The Swansong)“. Daiske Shibamoris infernale Gekeife trifft auf Gangshouts (beigesteuert von befreundeten Bands und Musikern). Wird der rein instrumentale Duktus verlassen, um seinen Vorbildern gegenüber ein gewisses Alleinstellungsmerkmal zu erreichen?

Gesang bei (ehemaligen) Instrumentalbands ist sicher keine Revolution – selbst Long Distance Calling haben zuletzt mit Martin Fischer einen fixen Sänger verpflichtet. Und doch schließt sich hier der thematische Kreis, denn trotz aller Versuche, sich von seinen Idolen zu distanzieren, bleiben gewisse Ähnlichkeiten vorhanden, kristallisieren sich mit der Zeit heraus und münden schließlich in einem Vocal-Song, wie ihn viele Instrumentalisten früher oder später aufgenommen haben. Jörg Varga verpackt mit (Van) Tempest diese Selbsterkenntnis in eine aufwühlende Platte von schmerzender Schönheit und wohliger Bosheit, von willkommenen Eruptionen und verstörender Ruhe. Letztendlich dürfte „//transitions.“ aber eben genau das sein: ein Übergang, eine weitere Episode im Schaffen eines Musikers, der mit seiner Selbsterkenntnis eine Ambient- / Post-Whatever-Platte von durchaus internationalem Format geschaffen hat.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 10.04.2014
Erhätlich über: Eigenvertrieb (Gratis-Download)

Facebook: www.facebook.com/VanTempest

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Category: Local Bands, Magazin, Reviews

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