Long Distance Calling – The Flood Inside

| 1. März 2013 | 0 Comments

Long Distance Calling

Auf ihren ersten drei Alben ließen Long Distance Calling für jeweils einen Song pro Platte Gastsänger auftreten, luden sich John Bush, Jonas Renske und Peter Dolving ins Studio ein. Nun geht man jedoch einen Schritt weiter: Nach der freundschaftlichen Trennung von Reimut van Bonn, der sich nun auf seine Karriere als Elektronik-Künstler konzentriert, holte man mit Martin „Marsen“ Fischer (Pigeon Toe, Fear My Thoughts) einen fixen Sänger ins Boot, der obendrein auch Keyboard spielen kann und sich live um die Elektronik kümmern wird. Ob das gut geht? „The Flood Inside“ beantwortet die Frage mit einem lauten, zweifelsfreien „Ja!“.

Der Clou: Fischer singt nur auf drei der acht Songs, für einen vierten hat man sich, der Tradition entsprechend, Gastsänger ins Studio eingeladen. Anathema-Frontmann Vincent Cavanagh und der norwegische Songwriter Petter Carlsen liefern sich in „Welcome Change“ ein tragisches, emotional hochgradig ergreifendes Duett, während sich die Musiker in eine Art Trance spielen, die in einem verqueren, psychedelischen Gitarrensolo mündet. Dass Long Distance Calling – Umbesetzung hin oder her – nach wie vor aus grandiosen Musikern besteht, zeigt „Waves“. Nach einem stylishen Intro von DJ Coolmann (ehemals Teil der Hamburger Kult-Rapper Fünf Sterne Deluxe) wird das Element Wasser beängstigend perfekt vertont. An anderer Stelle schnitzt der 30jährige Blues-Gitarrist Henrik Freischlader ein monumentales Solo, das aus dem ohnehin packenden Opener „Nucleus“ einen potentiellen Klassiker zaubert.

Jegliche Ängste, Long Distance Calling würden durch die Hinzunahme eines Sängers ihre Magie verlieren, sind unberechtigt. Fischers Stimme ist gleichermaßen bissig und klar genug, um den cineastischen Arrangements eine weitere Ebene zu verleihen, einem zusätzlichen Instrument ähnlich. Gerade der leicht doomige, an Black Sabbath erinnernde Mittelteil von „Inside The Flood“ zieht die Daumenschrauben an, auch das Hit-taugliche, an Faith No More erinnernde „Tell The End“ explodiert mehrfach. Zum Übersong mausert sich jedoch „The Man Within“. Fischer setzt sich hierfür an die Hammond-Orgel und verpasst dem mit Tool-Schlagseite behafteten Track ein klassisches Breitwand-Outfit. Das falsche Finish samt Doublebass-Attacke zählt zu den besten Momenten der Bandgeschichte.

Damit war nicht zu rechnen: Martin Fischer bereichert Long Distance Calling nicht nur, seine Stimme scheint jenes fehlende Puzzleteil zu sein, das die deutschen Nachbarn so lange gesucht haben. Anstatt jedem Song Vocals aufzuzwingen, wurden diese mit Bedacht und Sorgfalt eingesetzt. Kein Gast ist überflüssig, keine Note zu viel, kein vermeintlicher Jam-Part selbstverliebtes Hobeln. Was sich über Jahre hinweg angekündigt hat, wird endlich Realität: „The Flood Inside“ ist das perfekte Long Distance Calling-Album, ein Meisterwerk progressiver Musik, der Prototyp des Sound gewordenen Monsters.

Wertung: 10/10

Erhältlich ab: 01.03.2013
Erhätlich über: Superball Music (EMI Music)

Website: www.longdistancecalling.de
Facebook: www.facebook.com/longdistancecalling

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Category: Magazin, Reviews

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