Katatonia – Night Is The New Day

| 12. November 2009 | 0 Comments

Katatonia

Nach drei Jahren Wartezeit ist es endlich so weit: „Night Is The New Day“ heißt der lang ersehnte Nachfolger des hoch gelobten Katatonia-Albums „The Great Cold Distance“. Passender als im Herbst könnte man den Release-Termin für diese Platte nicht wählen. Mit „Night Is The New Day“ startet man melancholischer, ausgereifter und zugleich noch melodischer in die düstere Jahreszeit und steht dabei dem Vorgängeralbum in nichts nach, ganz im Gegenteil!

Katatonia haben ihren Sound gefunden und bauen diesen noch weiter, intensiver und komplexer aus. Fans fühlen sich beim Opener „Forsaken“ mit gewohntem Band-Sound sofort wohl. Preschende Drums lassen zunächst auf ein härteres Album vermuten. Nach wenigen Sekunden schreitet jedoch Jonas Renkse mit wunderschönem und deutlich besserem Clean-Gesang als auf den Vorgängeralben ein. Der Träumer verschmilzt mit den tobenden Drums zu einem gewaltigen Soundsturm. Spätestens jetzt stellt man sich die Frage, wie Katatonia es bloß schaffen, einen Song mit so kaltem und düsteren Soundgewand mit einem derart genialen, harmonischen Refrain zu versehen und bei dieser wahrhaftig düsteren Stimmung sogar eine Mitnick- und Ohrwurm-Garantie zu zaubern. Eines ist gewiss, die Band versteht es gerade bei „Night Is The New Day“ mit Einsatz von Keyboard und Synthesizern den Sound noch fülliger, breiter und schwermütiger zu gestalten, und sich dabei selbst neu zu finden.

Ruhiger, gefühlvoller, um nicht sogar lieblich zu sagen, geht „Idle Blood“ zu Werke. Harte Riffs sind für die Schweden bekanntlich nur ein Teil ihrer mächtigen und fesselnden Musik. Der mit Akustikgitarren aufgenommene Song zaubert eine zerbrechliche Stimmung, die seines Gleichen sucht. Die gefestigte, ergreifende Stimme und Gesangslinien von Jonas Renkse erinnern gerade bei diesem Song stark an Opeth. Kein Wunder, ist Mikael Åkerfeldt doch ein enger Freund der Band.

Mächtige und vor allem erhabene Gitarrenarbeit leisten Anders Nyström und Fredrik Norrman auch bei „Nephilim“. Hat hier soeben eine große Doom-Band beim Fenster herein gewunken? Ob es das mit Streichern besetzte „Inheritance“ oder der Refrain von „Liberation“ ist, welcher sich vor älteren Ohrwürmern wie „Evidence“ keinesfalls verstecken muss: Katatonia regeln und meistern jeglichen Part mit Bravour und Raffinesse.

Durch vermehrten Einsatz von Synthesizer- und Keyboard-Elementen schaffen es die Schweden, eine noch intensivere Stimmung als auf dem Vorgängeralbum zu zaubern, ohne aber durch diese verstärkten elektronischen Untermalungen aufdringlich zu wirken. David Castillo hat das Album abgemischt, und ist somit beim neuen Rundling für den klaren und druckvollen Sound verantwortlich, an welchem nichts auszusetzen ist.

„Night Is The New Day“ ist mit tiefen, dunklen Klängen, sowie zugleich wunderschönen Melodien verpackt, welche den Zuhörer auf einen unbeschreiblichen, fesselnden Emotionstrip mitnehmen, und mit diesem in unergründliche Tiefen von Hass, Trauer und einem Funken Hoffnung eintauchen lässt. Eine Nebel- und Soundwand, die wahrscheinlich von keiner anderen Band in ähnlichem Genre zu durchbrechen ist. Wer am Sound von Katatonia nur annähernd Gefallen findet, wird wie hypnotisiert das Album aufsaugen und um weitere Durchgänge betteln.

Angekommen beim mitreißenden, emotionalen Rausschmeißer „Departer“, welcher mit der wunderschönen Stimme von Krister Linder als Gastsängerin auftrumpft, wird nochmals klar gemacht, warum „Night Is The New Day“ das wahrscheinlich beste Album der Band und womöglich auch des Jahres ist.

Ein Meisterwerk mit Ecken und Kanten, das die Farben Weiß und Schwarz miteinander verschwimmen, und dabei noch ein einzigartiges Gemälde entstehen lässt. Katatonia beweisen, dass sie mit der Entfaltung ihrer Musik noch nicht am Ende angelangt sind, sondern sich in dieser eisigen Kälte, die das Album entfacht, musikalisch zwischen Progressive- und Doom-Momenten mit schönen Melodiengängen erst am Anfang ihrer Reise befinden. Die Band hat es geschafft, ihren düsteren, melancholischen und atmosphärischen Sound zu perfektionieren, und nach einigen Durchläufen auch den Vorgänger „The Great Cold Distance“ vom Thron zu stoßen. Ab sofort gibt es nur mehr die Jahreszeiten Herbst und Winter.

Wertung: 10/10

Erhältlich ab: 06.11.2009
Erhältlich über: Peaceville Records (Edel Music Distribution)

Website: www.katatonia.com
Facebook: www.facebook.com/katatonia

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Category: Magazin, Reviews

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