Interview mit Joaquin Ardiles von The Safety Fire

| 12. Februar 2014 | 0 Comments

The Safety Fire

Ein progressives Metal-Paket der Extraklasse hat sich am 25.01. in der Wiener Szene eingefunden. Kanada war mit den verrückten, aber nicht minder talentierten Protest The Hero und den Hopefuls von Intervals vertreten. Aus dem Land des Fünfuhrtees gaben sich das Djent-Aushängeschild Tesseract und die Prog-Coreler von The Safety Fire die Ehre. Letztere haben es mit ihrem zweiten Silberling „Mouth Of Swords“ in zahlreiche Jahrespolls geschafft. Grund genug, Gitarrist Joaquin Ardiles ein paar Fragen zu stellen.

Kannst du bisherige Bandgeschichte für diejenigen, die mit The Safety Fire nur begrenzt vertraut sind, bitte kurz zusammenfassen?

Klar. Ich kann mich zwar nicht mehr an die genauen Daten erinnern, aber wir waren alle 15, als wir die Band gegründet haben. Wir kennen uns seit der High School und haben einige Zeit zusammengespielt, bevor es ernst wurde. Wir waren nicht wirklich gut, eigentlich waren wir sogar ziemlich scheiße. Irgendwann gingen wir alle auf die Uni. Das Problem war nur, dass wir alle verschiedene Unis besuchten. Das machte es nicht gerade einfach sich zu treffen und zusammen zu proben. Dennoch schafften wir es in dieser Zeit unsere erste EP „Sections“ aufzunehmen. Als wir alle unseren Abschluss in der Tasche hatten, haben wir angefangen an unserem Debütalbum „Grind The Ocean“ zu arbeiten. Nachdem die Aufnahmen beendet waren, haben wir uns auf die Suche nach einem passenden Label gemacht und wurden von Inside Out Records gesignt. Ich glaube ca. ein Jahr später fingen die Arbeiten zum zweiten Album an.

Warum habt ihr euch für Inside Out Records entschieden?

Sie haben eine Menge gute progressive Bands unter Vertrag. Das Label ist einfach sehr „proggy“ ausgerichtet. Wir haben uns überlegt, welches Label am besten zu uns passen würde. Dabei haben wir uns bewusst nicht für eine größere Plattenfirma entschieden. Wir wollten keine x-beliebige Band unter vielen sein. Inside Out hat in der Hinsicht ein sehr familiäres Ambiente und wir sind glücklich damit.

Euer zweites Album "Mouth Of Swords" ist letztes Jahr erschienen. Rückblickend, wie zufrieden bist du mit der Platte?

(Lacht) Ich bin immer noch sehr zufrieden damit. Klar, mit der Zeit entwickelt man sich natürlich weiter. Wenn du etwas aufnehmen willst, musst du in erster Linie glücklich damit sein. Aber du musst dich auch mal auf etwas festlegen. Wenn du immer nur Musik schreibst, aber nie aufnimmst oder veröffentlichst, ist das ein eindloser Prozess. Irgendwann willst du ein fertiges Produkt in den Händen halten. Während den Arbeiten habe ich mich aus bestimmten Gründen für ein Riff entschieden. Wie gesagt, auch wenn ich heute ein paar Dinge anders machen würde, bin ich immer noch sehr zufrieden damit.

Wie gestalteten sich die Aufnahmen zu "Mouth Of Swords"? Habt ihre in der Herangehensweise im Vergleich zum ersten Album etwas geändert?

Ja, absolut. An der ersten Platte haben wir in verschiedenen Orten gearbeitet. Ein bisschen hier, ein bisschen da. Somit hat sich der Aufnahmeprozess über einen längeren Zeitraum erstreckt. Bei „Mouth Of Swords“ lief alles um einiges schneller und stimmiger ab. Beim ersten Album waren wir noch relativ unsicher, da wir nicht genau wussten, wie wir die Dinge angehen sollten. Ich glaube diese Dinge werden mit jedem weiteren Album einfacher, zumindest hoffe ich das.

Was sind eure Haupteinflüsse in musikalischer und textlicher Hinsicht?

Was die Lyrics angeht, kann ich dir leider nicht viel erzählen. Da müsstest du mit Sean (McWeeney, Vocals) reden, weil ich keine Ahnung habe worüber er schreibt.

In anderen Worten, die Lyrics deiner eigenen Band interessieren dich nicht?

Nicht wirklich (lacht). Solange es sich gut anhört und nicht komplett lächerlich ist, sind mir die Texte egal. Obwohl wir alle einen unterschiedlichen Musikgeschmack haben, hören wir auch viele gleiche Bands. Wir sind große Fans von Mastodon, Alice In Chains, Deftones und Gojira. Es gibt so viele Dinge, die uns inspirieren. Ich stehe total auf Videospiele. Die meisten in der Band sind da ähnlich, also kann es schon vorkommen, dass du ein paar Einflüsse von bestimmten Spielen heraushörst. Es gibt einige Spiele, welche mit einem unglaublichen Soundtrack aufwarten, und ich zähle viele Scores zu meiner absoluten Lieblingsmusik.

Zum Beispiel?

„Zelda“ hat einen großartigen Soundtrack. Wenn wir im Van unterwegs sind, kommt es auch mal vor, dass du uns den ganzen Tag „Super Mario“-Songs trällern hörst. Die Musik von alten Nintendo-Spielen oder „Sonic“ und „Sonic 2“ ist einfach der Hammer. Ich stehe auf dieses 8-Bit-Zeug.

Kommt es auch vor, dass ihr während dem Songwriting ein Spiel im Kopf habt und euch Gedanken darüber macht, wie eure Musik zu diesem Spiel passen würde?

Dez (Derya Nagle, Gitarre) schreibt die meiste Musik. Da müsstest du ihn fragen. Ich glaube jedoch nicht, dass das der Fall ist. Normalerweise weiß er immer in welche Richtung ein Song gehen soll. Aber ernsthaft, es wäre schon richtig geil einen Soundtrack für ein Videospiel zu schreiben. Auch deswegen, weil damit viel Geld zu machen ist (lacht).

Habt ihr schon mit den Arbeiten zum nächsten Album begonnen?

Nein, überhaupt nicht. Unser letztes Album haben wir in einer solch kurzen Zeit fertiggestellt, dass wir uns dieses Mal etwas mehr Zeit lassen. Wir beenden erst diese Tour. Danach machen wir wahrscheinlich eine kurze Pause und dann sehen wir weiter.

Seit den ersten Djent-Bands wie Periphery oder Tesseract hat sich ein regelrechter Trend daraus entwickelt, technisch und progressiv zu sein. Was natürlich auch einiges an Müll, aber auch viel Konkurrenz mit sich bringt. Hältst du das für gut oder schlecht?

Ach, für mich ist das einfach nur eine Sache. Das passiert in jeder Bewegung, in jeder Szene. Du hast die Jungs, die wirklich gut sind und etwas Neues probieren. Und dann gibt es alle anderen Bands, die zwar auch recht gut sind, aber auf langem Wege in der Masse untergehen. Wir versuchen uns nicht all zu viele Gedanken darüber zu machen und uns nicht an anderen Bands zu orientieren. Wenn wir Musik machen, die uns gefällt, reicht das schon. Wir wollen nicht so technisch wie möglich klingen. Wenn wir etwas schreiben, dann passiert das so natürlich wie möglich. Komplexität macht noch lange keinen guten Song.

Wo fühlst du dich wohler, im Studio oder auf Tour?

Mir gefällt beides. Ich mag die Studiozeit, weil es mir die Möglichkeit gibt kreativ zu sein. Du kannst mit verschiedenen Sounds experimentieren und du machst dir Gedanken darüber, wie das Album klingen soll. Touren macht mir mindestens genauso viel Spaß. Was nützt die ganze Zeit im Studio, wenn du deine Mucke nicht live präsentieren kannst? Ich liebe es zu touren, vor allem wenn du mit Bands unterwegs bist, die du magst, wie z.B. Protest The Hero oder Between The Buried And Me. Ich liebe diese Bands. Jeder Tag ist einfach nur unglaublich. Anders gesagt: Ich mag es Musik aufzunehmen, aber ich finde es genauso klasse, das Material vor einem Publikum zu spielen.

Gibt es einen Künstler oder eine Band, mit der du gerne zusammenarbeiten möchtest?

Wow. Naja, ich habe gehört, dass es sehr schwierig ist mit ihm zu arbeiten, aber ich würde gerne mit Prince zusammenarbeiten. Wenn es ums touren geht, würde ich unheimlich gerne mit den Deftones, Mastodon oder Gojira unterwegs sein. Wenn ich jemals mit einer dieser Bands touren sollte, kann ich als glücklicher Mann sterben.

Gibt es Tour-Erinnerungen, an die du gerne zurückdenkst?

Ich denke an alle Tourneen gerne zurück. Wir machen keine wirklich verrückten Dinge, wenn wir auf Achse sind. Es ist schon was Besonderes, wenn du unterwegs bist und an allen möglichen Orten anhalten kannst. In den USA haben wir bis jetzt zweimal getourt und haben deshalb etwas mehr gesehen als in Europa. Da fällt mir z.B. ein wunderschöner See in Kanada ein, an dem wir Halt gemacht haben. Auch nur in der Nacht zu fahren und in der Ferne einen Blitz einschlagen zu sehen, ist einfach genial. Jeder pennt. Nur du und der Fahrer beobachten dieses Schauspiel mit passender Musik im Hintergrund. Das ist schon ein cooles Gefühl. Alle meine Erinnerungen sind wirklich nur positiv. Natürlich gibt es auch die nicht so angenehmen Seiten, wie am Boden schlafen zu müssen oder ständig hungrig zu sein. Aber das nimmst du einfach in Kauf.

Der Großteil der Bands auf dieser Tour ist nach der Euro-Tour auch in den USA gemeinsam unterwegs. Gibt es in dieser langen Zeit auch mal den einen oder anderen Streit?

Nein. Bis jetzt hatten wir Glück, weil wir immer mit Bands unterwegs waren, die wir mochten, auf musikalischer und auf persönlicher Ebene. Alle sind wirklich nett. Es ist schon verrückt, weil wir auch immer wieder Geschichten von anderen Bands hören, die mit angeblichen Arschlöchern unterwegs waren. Das ist uns nie passiert. Klopf auf Holz (lacht). Falls es doch zu kleinen Meinungsverschiedenheiten kommt, spielen sich diese für gewöhnlich innerhalb der Band ab. Aber auch dann ist das kein großes Ding. Da kommt es schon mal vor, dass du am Morgen mies gelaunt aufwachst und etwas angepisster als sonst reagierst. Das ist aber nie von Dauer. Wir streiten uns nie, zumindest bis jetzt. Ich lass‘ es dich wissen, wenn es soweit ist (lacht).

Habt ihr gehört, dass Dream Theater heute auch in Wien spielen?

Haben wir, ja. Wir haben uns auch überlegt, hinzugehen, aber wir wissen nicht wann sie spielen.

Dream Theater haben eine ähnliche Fanbase, wie dieses Package hier. Was verpassen die Leute, die sich lieber Dream Theater als The Safety Fire anschauen? Was bietet ihr eurem Publikum?

Ich denke, dieses Tourpaket unterscheidet sich in erster Linie von Dream Theater, weil es bei uns etwas energischer und lebendiger zugeht. Ich spreche dabei von allen Bands und nicht nur The Safety Fire. Dream Theater zieht eine Menge Musiker an, die jede einzelne Note studieren wollen und wirklich für progressive Musik leben. Wir bieten den Leuten etwas mehr Energie und Seele. Ich muss aber auch gestehen, dass ich kein großer Dream Theater-Fan bin.

Gibt es noch etwas, dass du loswerden möchtest?

Wir haben vor im Sommer ein paar Festivals zu spielen, also haltet eure Augen und Ohren offen. Wir hoffen bald wieder durch Europa zu touren und falls ihr unseren Namen irgendwo sehen solltet, dann kommt zu einer Show und feiert mit uns.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die nahe Zukunft!

Danke, das hat Spaß gemacht.

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