East Of The Wall – Redaction Artifacts

| 7. November 2013 | 0 Comments

East Of The Wall

Die rasante Entwicklung, die East Of The Wall seit ihrer ersten EP vor sieben Jahren genommen haben, ist mehr als nur eindrucksvoll. Operierte das Quintett aus Keyport, New Jersey anfangs rein instrumental, so wurde ihr aggressiver, verkopfter Sound durch die Hinzunahme von Vocals noch gefährlicher und unberechenbarer. Exakt zwei Jahre nach „The Apologist“ melden sich die US-Amerikaner mit „Redaction Artifacts“ zurück, das oberflächlich nach Melodik und Entschleunigung klingt. Darunter brodelt es gewaltig.

Im Opener „Solving The Correspondence Problem“ manifestieren sich diese Spannungsverhältnisse. Die erste Minute wird in eine Art ‚Schönklang‘, gesäumt von gespenstischer Spannung gehalten, bevor East Of The Wall den Schalter umlegen, den Härtegrad nach oben schrauben und schließlich nahtlos in das zerstörerische „I’m Always Fighting Drago“ übergleiten. Anfangs bewegt man sich in kaputtem Mathcore, bis sich irgendwann so etwas wie ein High-Speed-Refrain mit Aggro-Melodien, die entfernt an die ersten Mastodon-Alben erinnern, herausschält. Mindestens ebenso unerwartet kommt das ruhige Intermezzo mit Klargesang und Jazz-Skalen, die aber nur der Anfang einer melodischen Tour de Force sind.

Gesang wird auf dieser Platte zum Trumpf. Da wäre beispielsweise das wuchtige „Arbiters Meet“ mit seinem – nicht nur vokalisierten – Deftones-Auftakt. Chino Moreno lässt grüßen, wird jedoch in weiterer Folge von Wellen aus Post-Mathcore, Post-Hardcore und Aggro-Melodik plattgemacht. Wohin die Reise gehen soll, ist letztlich egal, denn bei East Of The Wall ist der Weg prinzipiell das Ziel. Das gilt vor allem für die beiden überlangen Songs auf „Redaction Artifacts“. „The Fractal Canopy“ verbindet den Pioniergeist von The Fall Of Troy mit der verträumten Slacker-Attitüde von Incubus, deutlichen Pink Floyd-Bezügen und einem Hauch von Dream Theater. „Noir Filter“ ist hingegen die deutlich härtere Antwort auf die proggigen Ideen des Quintetts – dargeboten mit einer Selbstverständlichkeit, vor der selbst Lis Er Stille in die Knie gehen.

Ein weiterer Schritt gen Perfektion, ein weiteres Überalbum: Wer gedacht hat, East Of The Wall wären mit „The Apologist“ auf dem Höhepunkt ihres Schaffens angelangt, der irrt gewaltig. Auf ihrem vierten Album vereint das Quintett die Abgedrehtheit von Between The Buried And Me mit der verspielten Eingängigkeit der jungen Prog- und Math-Schule. „Redaction Artifacts“ ist eine Platte, der man anfangs nur mit Mühen folgen kann – zu zahlreich sind ihre Haken, zu unorthodox ihre Melodien. Nach ein paar Durchläufen legen die US-Amerikaner den Blick frei auf unaufdringliche Eingängigkeit und atemberaubende Songstrukturen, die mit einer gewissen Mühe und Bestimmtheit ihren Aufbau offenlegen. Starke Sache.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 29.10.2013
Erhätlich über: Translation Loss Records (US-Import)

Website: www.eastofthewall.com
Facebook: www.facebook.com/eastofthewall

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Category: Magazin, Reviews

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