Loneshore – Nothing Left To Deconstruct

| 14. Juni 2026 | 0 Comments
Loneshore

(c) Vitor Coutinho

Komplexe, progressive Melancholie macht sich auf den Weg aus Brasilien. Dort ist das Quintett Loneshore ansässig, das irgendwo zwischen Death Doom, Prog und Post Metal unterwegs ist und Brücken sucht, wo diese eigentlich nicht unbedingt hingehören dürften. Ein Album erschien bislang, stolze acht Jahre her, danach wurde das Songwriting fleißig weiterentwickelt. „Nothing Left To Deconstruct“ intensiviert seine Bemühungen um Atmosphäre und bricht mehr als gekonnt mit Konventionen und Erwartungen.

Hauptattraktion, wenn man so will, ist Frontmann Luiz Felipe Netto, der spielerisch zwischen hymnischem Gesang und wütenden Screams wechselt. „With Nothing We Part“ mutiert zum Showcase für die fünf Brasilianer, die hinsichtlich Detailreichtum und Songwriting in diesen acht Minuten gewaltige Sprünge machen. Wie sich Nettos einsame Stimme aus der anfänglichen Melancholie erhebt und von meditativer Reduktion in höchste Höhen getragen wird, ist mehr als beeindruckend. Erst zur Halbzeit legen Loneshore nach und nach los, reihen doomige Melancholie an komplexen Post-Wahnsinn, als würden The Ocean und Swallow The Sun gemeinsame Sache machen. Wahrlich hässliche, gurgelnde Growls und Screams sowie himmlischer Gesang finden zusammen.

„Birth Of A Mountain“ ist eine weitere exquisite Monstrosität, auf nahezu zehn Minuten ausgedehnt und von bittersüßer Melancholie durchzogen. Monolithische Intensität, sägende Gitarren und die schleppende Rhythmusabteilung marschieren erhobenen Hauptes dem Untergang entgegen. Erstaunliche rohe Passagen treffen auf minimalistische Idylle, der Wiederaufbau für das große Finale verläuft packend. „Straylight“ hat hingegen eine der besten Gesangsmelodien der gesamten Platte in der Hinterhand, baut sich gemächlich und bedrohlich auf, bevor klaustrophobe Melodien das Heft in die Hand nehen und Death Doom endgültig zersetzen.

Kaum glaubt man, Loneshore ‚verstanden‘ zu haben, ändert sich der Kurs. Die Brasilianer schlagen einen Haken nach dem anderen, ohne dadurch ihr Songwriting zu verwässern. Das geschickte Spiel mit Melancholie und Monstrosität verlangt Geduld, keine Frage, blüht aber dafür doppelt und dreifach auf. „Nothing Left To Deconstruct“ gewinnt hinsichtlich proggiger Komplexität und intensiviert die kontrastreichen Gräben zwischen Death Doom und Post Metal, Melodie und Urgewalt. Klar, das verlangt erst einmal ordentlich Geduld, beißt sich aber fest und wird mit jedem Durchlauf besser, größer, erschütternder. Loneshore sollte man sich unbedingt merken.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 19.06.2026
Erhältlich über: Willowtip Records

Facebook: www.facebook.com/Loneshore

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Category: Magazin, Reviews

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