Yawning Balch – Volume Four

(c) Yawning Balch
Die nächste Runde einer der besten Wüsten-Jam-Sessions der letzten Jahre ist hiermit hochoffiziell eingeläutet: Yawning Balch, die gemeinsame Klangraumfüllung von Yawning Man und Bob Balch (Fu Manchu, Slower) geht bereits in die vierte Runde. Einmal mehr steckte man einfach die Instrumente ein, ließ sich treiben und fand diese besondere Sprache zwischen Desert Rock und Psychedelia, die wohl sonst niemand auch nur annähernd so gut beherrscht. Und doch gestaltet sich „Volume Four“ zumindest im Detail auf höchst angenehme Weise ein klein wenig anders.
Dieses Mal sind es nun zwei Songs, jeweils deutlich über 20 Minuten, die das sprichwörtliche Heft lose in die Hand nehmen und sich einfach treiben lassen. Die gesamte A-Seite gehört „Pyramid Of Djoser“. Binnen weniger Sekunden befindet sich der Track in media res, findet sofort zu seinem Leitmotiv und verfolgt dieses erstaunlich energisch. So laut und eindringlich hört man Yawning Balch nur selten, das hat stellenweise fast schon etwas von Uptempo. Mario Lallis Bass nimmt eine prominente Rolle ein, arbeitet sich immer wieder in den Vordergrund und wirkt stellenweise wie ein nahezu tanzbarer Anker, speziell in den etwas psychedelischeren Einschüben.
Auch „Water Ritual“, die unwesentlich kürzere B-Seite, kennt keine falsche Zurückhaltung. Dezent nachdenkliche Töne zwischendrin treffen auf schneidende bis singende Gitarren und spacige Effekte, während die Drums alles zusammenhalten. Rhythmische Gelassenheit öffnet Post-Rock-artiger Intensivierung Tür und Tor. Die klassische Steigerung bleibt jedoch aus, das kathartische Plateau ebenso. Marginale Variationen, schemenhafte Heavyness und eine verspielte, abermals basslastigere zweite Hälfte übernehmen die Geschicke. Das klingt energisch auf relaxte Weise, falls es so etwas überhaupt geben kann.
Etwas lauter, etwas härter, etwas ausladender: Für Yawning Balch-Verhältnisse fällt dieser vierte Teil fast schon laut und stürmisch aus. Deutlich mehr Kanten, bekömmlicher Druck und mehr Drang nach vorne zeichnen diese Platte aus, die durch ihre Geschlossenheit überrascht. Zwei überlange Songs halten die Spannung und wirken trotz ausladender Dimensionen fast kompakt. Wie das funktionieren kann, bleibt ein Mysterium, doch verströmt „Volume Four“ deutlich mehr Energie als zuletzt. Eine Metamorphose auf Raten hält Yawning Balch frisch und verleitet beinahe zu einem kleinen Road-Trip. Beinahe.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Heavy Psych Sounds Records (Cargo Records)
Instagram: www.instagram.com/yawning_balch


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