Erdve – Epigrama

| 25. Mai 2026 | 0 Comments
Erdve

(c) Vaidotas Darulis

Nach zwei wütenden, erdrückenden und betont hässlichen Alben brauchten Erdve eine kleine Pause, um ihr eigenes Verhältnis zur Musik an sich neu zu entdecken, und um zugleich einen Weg für eine gemeinsame kreative Zukunft zu finden. Dieser nunmehr erfolgreich zurückgelegte Schritt machte es sich zum Ziel, eine enge Einheit zwischen Sound, Lyrics und Visuals zu finden, während gleichzeitig mit dem eigenen Songwriting experimentiert wurde. Was sich sehr abstrakt liest, wird in den Händen der vier Litauer zu herrlich erdrückendem Wahnsinn: „Epigrama“ könnte ihr bislang bestes Album sein.

Tracks wie „Nyra“ zelebrieren faszinierenden Wahnsinn auf schwer zugängliche und doch einladende, für sich einnehmende Weise. Wütende, post-metallische Sludge-Wände treffen auf kurze klare Momente, dann brüllt Vaidotas Darulis alles nieder. Kantige Dissonanzen und zentnerschwere Wände strapazieren das Nervenkostüm, die angedeutete Auflockerung in der zweiten Hälfte verschwindet schnell. Hingegen zelebriert „Raukšlės“ stärkere Post-Hardcore-Zuwendung, operiert am emotionalen Anschlag und sehnt eine Form von Katharsis herbei, die doch nie gänzlich erreicht werden kann. Sägende bis singende Gitarren täuschen Öffnung an, doch bleibt diese aus.

In weiterer Folge zelebrieren Erdve die Zerreißprobe des Menschseins mit wachsender Begeisterung. Ihr „Trukmė“ fährt arschlings ins Gesicht, macht Zerrissenheit greifbar und sucht nach einem Rettungsanker, der stets ein klein wenig außer Reichweite scheint. Mittendrin reißt der Track urplötzlich ab, spielt mit Elektronik, mit TripHop und dezent folkloristischen Anleihen – noisiges Understatement sucht und findet doch nichts.  Der Titelsong „Epigrama“ wagt sich noch weiter hinaus. Djent-Wände, nahezu hymnischer Neo-Prog, seltsame wiederkehrende Samples und scharfkantige Sludge-Druckstellen kollidieren wiederholt.

Das muss man erst einmal sacken lassen. Tatsächlich profitieren Erdve von ihrer kleinen kreativen Pause und klingen mehr denn je wie eine Einheit. Hier stimmt das gesamte Erscheinungsbild in Bild, Text und Ton zusammen, inklusive kleinerer elektronischer Elemente und plötzlich abdriftender Arrangements. „Epigrama“ ist eine jener Platten, die man eine ganze Weile sacken lassen muss, die mehrere Durchläufe benötigt, die nicht immer Sinn ergibt. Und die gerade hinter oberflächlicher Widersprüchlichkeit aufblüht. Der verstärkte Fokus auf Post Metal bekommt dem litauischen Quartett gut, gewisse Querverweise auf Neurosis sind ein willkommener Zufall. Erdve entwickeln sich souverän in die richtige Richtung.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Season of Mist (SPV)

Facebook: www.facebook.com/erdvelt

Teile diesen Artikel

Tags: , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES