Hanry – What Came From Silence

| 24. Mai 2026 | 0 Comments
Hanry

(c) Gregory Perrochon

„Disruption“ war der Titel ihrer ersten EP und hatte tatsächlich das Zeug zu einer positiven Störung, zu einem kreativen Bruch. Die französische Band Hanry tut genau das mit Post Rock und verbindet diesen mit geradezu cineastischen Elementen, von Ambient bis Elektronik. Inzwischen als Quintett unterwegs, ging es den Herren aus Rennes vor allem darum, Bilder im Kopf zu erzeugen, Spuren durch einen geradezu architektonischen Ansatz aufeinanderzulegen und dabei eine Art Gesamtkunstwerk zu erzeugen. „What Came From Silence“ ist ihr erstes komplettes Album.

Das schrubbende, industriell anmutende „Aurora“ bäumt sich gemächlich und bedrohlich auf. Geradezu mechanische Klänge mit noisiger Note suchen die ersten eineinhalb Minuten nach der richitgen Ausdrucksform, bevor weitläufige, hymnische Gitarren und Synths übernehmen. Für kurze Zeit lichtet sich der Nebel, intensive Töne im Stil späterer Collapse Under The Empire übernehmen. Der sägende, wahrlich epische Schlussakt übermannt regelrecht. Krasses Gegenteil ist das stark elektronisch beeinflusste „Remains“, das mittendrin etwa 20 Sekunden Pause einlegt und bedrohlichen Synthwave neben fast Drone-artige Klänge stellt. Das ist bizarr, hat aber gewisse Qualitäten.

Mit „Phantom Rush, Pt. 1 And Pt. 2“ setzt es ein komplexes neunminütiges Finale, unterstützt durch den Pianisten Mariposa. Fällt die erste Hälfte noch laut und aufbrausend auf, so nimmt der Gast mit erst fragilen, dann immer eindringlicheren Noten das Heft in die Hand und führt Hanry nach dem zwischenzeitlichen Kollaps in versöhnlichere Gefilde. Wieder komplett anders fällt „Her Crown, Her Empire“ aus, das an synthetischere Mogwai erinnert und kurz vor dem großen Höhepunkt urplötzlich abreißt. Mit derlei verspielter Elektronik hat „Noise Drowns Out“ herzlich wenig zu tun. Zentnerschwere Gitarrenwände mit ordentlich Distortion tauchen urplötzlich auf und überfordern mit Wonne.

Die exorbitanten Hoffnungen nach ihrer famosen ersten EP erfüllen sich zwar nicht, doch haben Hanry mit Sicherheit viel mehr als ’nur‘ ein offenes Ohr verdient. Ihre Version – und Vision – von Post Rock ist sehr anders, wechselweise bei Explosions In The Sky, Sigur Rós und Caspian angesiedelt, letztlich aber doch denkbar weit weg davon. Hier geht es darum, Arrangements feinsäuberlich zu bauen, ohne dabei etatmäßige Spontanität einzubüßen, sorgsam und wahrlich cineastisch. „What Came From Silence“ ist Kopfkino in Reinkultur, verlangt intensive Auseinandersetzung und überrascht mit dem nahtlosen Zusammenspiel noisiger Gitarren, kühler Synthetik und hymnischen Zwischenwelten immer wieder aufs Neue. Das französische Quintett verlangt viel und entlohnt fürstlich – ein packendes Debüt einer aufregend anderen Band.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Pelagic Records

Facebook: www.facebook.com/hanry.music

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Category: Magazin, Reviews

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