Pupil Slicer – Fleshwork

| 7. November 2025 | 0 Comments
Pupil Slicer

(c) Richard Mukuze

Ihr Einstand „Mirrors“ setzte auf kantiges Chaos und auf Wahnsinn, der Nachfolger „Blossom“ arbeitete nahezu songdienlich und deutlich klarer. Und jetzt? Bemühen Pupil Slicer das Beste beider Welten. Das britische Trio, inzwischen mit Luke Booth am Bass, will gleichzeitig die etwas melodischeren Klänge des Vorgängers weiter erkunden und bestehende Extreme abermals intensivieren. „Fleshwork“ sucht seinen Platz zwischen den Stühlen und befasst sich intensiv mit der Entwertung und systematischen Ausbeutung von Menschen, teils aus eigener Erfahrung angetrieben.

Keine drei Minuten benötigt das eröffnende „Heather“, um diesen vermeintlichen Stilbruch auf den Punkt zu bringen. Riffing und Rhythmus spielen mit nahezu rockigen Motiven, während die Vocals so extrem und angestochen wie möglich ausfallen, Grind- und Blackened-Action bemühen. Melancholische Schwere sägt über einem sich stetig häutenden Arrangement, von mehreren Entfremdungen begleitet. Jegliche Hoffnung wird vom mächtigen Schlussakt komplett erstickt. „Black Scrawl“ lebt von Anfang an komplexes Mathcore-Chaos aus, sprintet nach vorne und wird urplötzlich langsam, fast doomig und derbe.

Man weiß nie genau, wohin die Reise geht, und das zeigt der Titelsong „Fleshwork“ gar hervorragend. Geifernde Wut, wiederholtes Stottern, infernale Melodieansätze und hinter einer imaginären Wand lauernder Klargesang sorgen für schaurig-schöne Grundstimmung. Vermeintliches Harmoniebedürfnis kollidiert mit industriell angehauchten Klangwänden und schleppt sich über die Ziellinie. Dort wartet bereits „Cenote“, der überlange Rausschmeißer, der zugleich ein Herz für hymnische Klänge hat. Während Kate Davies gleichzeitig jenseitige Growls und Screams sowie glockenhellen Gesang auspackt, häutet sich der Song wiederholt, mit Deathgrind, Doom-Elementen und post-metallischer Schwere. Die kleine Zäsur zwischendrin ist ein Highlight.

Die mutige Mission, eine Art imaginären Mittelweg zu finden, geht für Pupil Slicer vollends auf. „Fleshwork“ wirkt deutlich härter und chaotischer als zuletzt, lässt zugleich mehr als genug Freiraum für die sprichwörtliche feine Klinge, die pointiert eingesetzt wird, zweckmäßig und zielgerichtet, nie unnötig und übermäßig. Kleine Momente der Hoffnung, häppchenweise Melancholie und, als angenehme Neuerung, geradezu doomiger Post Metal erweitern die rasende Wut zwischen Mathcore, Grindcore und Death Metal exzellent. Pupil Slicer gehen den sprichwörtlichen nächsten Schritt mit einem widerborstigen wie willkommenen Bastard von einem Album, das zugleich Herz und Empathie beweist.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 07.11.2025
Erhältlich über: Prosthetic Records / MNRK Records (SPV)

Website: pupilslicer.com
Facebook: www.facebook.com/pupilslicer

Slider-Pic (c) Richard Mukuze

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Category: Magazin, Reviews

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