Tarmak – Delete To Proceed

| 8. November 2025 | 0 Comments
Tarmak

(c) Tarmak

Einen ersten musikalischen Gruß mitten im Lockdown zu veröffentlichen – nein, Tarmak hatten es sich nicht leicht gemacht. Das Trio aus dem belgischen Gent sorgte mit seiner EP „Plow“ für verdiente Aufmerksamkeit, irgendwo im weiten Post-Rock- und Post-Metal-Umfeld verankert, noch auf der Suche nach Bedeutung. Letztlich sollte es fünfeinhalb Jahre bis zum Nachfolger, bis zum ersten kompletten Album dauern. Dieser superlange Vorlauf bekam den Herren offenkundig bestens, denn das rein instrumentale „Delete To Proceed“ erweist sich als kleiner Leckerbissen.

Sprachlos sind Tarmak aber keinesfalls, denn ihre gerne mal düsteren, schroffen Songs haben viel zu sagen. „Careless CRISPR“ ist alleine schon aufgrund seines Titels fantastisch. Hier wartet man jedoch vergeblich auf verführerische Saxofonklänge, wobei das Spiel mit unterschiedlichen, teils konträren Spuren sowie die schroffe Energie im Fundament mitten ins Herz treffen. Teils klingt die Gitarre, als würde sie singen, während das forsche Leitmotiv erhalten bleibt. In „Wörtrilg“ tauchen entstellte Wortfetzen auf, werden wie ein zusätzliches Instrument verwendet und supporten letztlich den gezielten Aufbau zum klassischen Post-Rock-Plateau, etwas unbehagliche Katharsis inklusive.

Die „Ark Of Nowhere“ hält von derlei Leisetreterei herzlich wenig, gibt sich geradezu forsch und grantig. Die Rhythmusabteilung leistet ganze Arbeit, erinnert zeitweise an die Band Isis, sorgt für jazzig-metallische Noten und lässt den Track im richtigen Moment anschwellen, bevor es Schritt für Schritt zurück in den Schatten geht. Dort lauert bereits „Blue Renewed“ und findet ebenso verhältnismäßig schnell zu erstaunlicher Urgewalt. Tarmak lassen das Fass der Spannung beinahe überlaufen, pendeln sich kurz vor dem etatmäßigen Zusammenbruch ein und gehen schließlich auf eine Art Mini-Forschungsreise durch zig Variationen, kleine Zusammenbrüche und ein nahezu spaciges Finale.

Aus dem finsteren Bollwerk brechen wieder und wieder einzelne Lichtstrahlen, doch haben es diese schwer, sich nachhaltig durchzusetzen. In dieser wiederholten Enttäuschung ruht willkommene Methode, die man durchaus auf das Leben an sich umlegen könnte. Tarmak zeigen sich davon unbeeinrduckt und servieren eine massive, schwer zu durchschauende und zugleich hypnotisierende Platte, die frühe musikalische Versprechungen mehr als einlöst. Pure Intensität von der ersten bis zur letzten Sekunde, spannende Unvorhersehbarkeit und ein Herz für kleine Geschichten ohne große Worte begleiten „Delete To Proceed“. Russian Circles, Cult Of Luna und Collapse Under The Empire grüßen (un)freundlich.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 07.11.2025
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Facebook: www.facebook.com/tarmakbelgium

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Category: Magazin, Reviews

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