Lake Cisco – Bricks

| 16. Dezember 2022 | 0 Comments
Lake Cisco

(c) vondergathen.art

Vor elf Jahren legten Lake Cisco ihr erstes und bis jetzt einziges Album vor. „Permanent Transient“ war ein Highlight im Prog-, Art- und Alternative-Rock-Sektor, eine kleine Offenbarung. Seither machten sich die Mitglieder als Komponisten, Toningenieure und Musiker für zahlreiche populäre Acts einen Namen, bevor im zweiten Quartal des Vorjahres eine neue Platte per Crowdfunding erfolgreich finanziert werden konnte. Die Band mit Wurzeln im Ahrtal will zurückgeben und setzt sich nicht nur für diverse karikative Zwecke ein, sondern lässt den kompletten Gewinn des Vorverkaufs von „Bricks“ der flutgeplagten Region zukommen.

Das eröffnende „Famous Last Words“ holt vertraute Art-Prog-Motive zurück und klingt über weite Strecken so, als wären Lake Cisco nie weg gewesen. Sieben epische wie verspielte Minute breiten den intensiven Klangteppich schrittweise aus. Gewisse Incubus– und Karnivool-Vibes – nicht nur gesanglich – mischen weiterhin an vorderster Front mit, von gelegentlichen Explosionen und wütenden Shouts begleitet. Und doch ist der himmlische Refrain, der die Arme gen Himmel ausbreitet, gewiss das Highlight dieses kleinen Meisterstücks. Lake Cisco hatten immer schon ein gewisses Faible für hymnische Dramaturgie, was ihnen übrigens auch im Abgang prima bekommt.

Überhaupt ist diese Platte der erhoffte Siegeszug geworden. So legt „Ashes_0“ mit ungeahnter Härte los, fängt sich für synthetisch angehauchte Eingängigkeit und verbreitet dennoch nervöse Energie. Es brodelt gewaltig unter der Oberfläche, in der zweiten Hälfte folgt die brachiale Eskalation. Plötzlich findet sich das Quartett in Post-Hardcore-Gefilden, dockt etwas bei Cave In an und reiten die wuchtige Welle in Richtung Wahnsinn. Davor lauert mit „White Light“ ein weiteres Epos, so verspielt wie fordernd. Aus der anfänglichen Hymne wird ein proggig-instrumentales Wunderwerk. Das kompletten Zusammensacken und das zunächst vorsichtige Herantasten an die sich zersetzende Zäsur kommt gut. Am Ende wartet die Erhabenheit.

Als wären diese elf Jahre nur elf Monate gewesen: Lake Cisco haben rein gar nichts verlernt und knüpfen in jeder Hinsicht nahtlos an „Permanent Transient“ an. Natürlich entwickelte man sich hörbar weiter, liefert aber weiterhin in mittlerweile gewohnter, packender Stärke ab. „Bricks“ serviert anspruchsvollen, komplexen und zugleich eingängigen Rock der vielschichtigen, gekonnt unvorhersehbaren, epischen und treibenden Art. Großartige Songs, faszinierende Geschlossenheit und ein Herz für die wichtigen Dinge des Lebens machen Lake Cisco weiterhin zur unantastbaren Art-Prog-Referenz.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 16.12.2022
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Website: www.lakecis.co
Facebook: www.facebook.com/lakeciscoband

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Category: Magazin, Reviews

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