Déluge – Ægo Templo

| 3. November 2020 | 0 Comments
Déluge

(c) Julien Félix

Die Zeit rauscht vorbei: Hat das Debütalbum von Déluge tatsächlich schon wieder fünf Jahre auf dem Buckel? Der angenehm eigentümliche Post-Blackgaze-Ansatz der sechs Franzosen steht für große, erhabene Momente, epische Melodik und ratternde Brachialgewalt. Für den Nachfolger wollte man noch ein wenig zugänglicher und eingängiger werden, ohne dabei die Melancholie, die Essenz des Erstlings zu verlieren. Genau dieser Spagat gelingt „Ægo Templo“ hervorragend.

Schnell etabliert sich „Abysses“ als Herzstück, nicht nur aufgrund der stattlichen Spielzeit von knapp neun Minuten. Déluge nützen diese ausladenden Dimensionen, um wirklich alles abzurufen. Sie gleiten langsam in den Song hinein, deuten mehrmals an und entladen sich erst spät. Die Strophen knistern zunächst mit knurrendem Minimalismus, dann türmen sich monolithische Klangwelten auf. Im steten Stop-and-Go-Verfahren setzt es bärbeißige, schwarzmetallische Klänge, Post-Nachdenklichkeit und gekonnt gebündelte Melancholie. Erinnerungen an Envy werden in der zweiten, majestätischen Hälfte wach.

Jeder Song hat seine einzigartigen, bewegenden Qualitäten. „Digue“ bemüht sich um beißende Schönheit, zelebriert aufbrausende Melodieteppiche, die behelfsmäßig Stahlkanten abdecken. Wenn Déluge schließlich explodieren, wächst der Track über sich hinaus. In „Opprobre“ werden Erinnerungen an Alcest wach, später durch jazzige Elemente erweitert und entfremdet. Der Titelsong läuft hingegen nur langsam an und klingt dennoch fast linear. Maxime Febvets Einschreien im Refrain ist wie von einem anderen Stern, man fühlt sich zuweilen sogar etwas gerührt.

Seltsam im besten Sinne und wohl gerade deswegen so gut: Wiederholtes Häuten ist die Zauberformel von „Ægo Templo“, das sich nie so recht auf einen Sound festnageln will. Tatsächlich klingen Déluge noch ein wenig eingängiger als zuletzt, schrauben etwaige Einstiegshürden zumindest etwas weiter herunter. Von Anbiederung ist bei den Franzosen allerdings nichts zu hören, es bleibt zuweilen durchaus kauzig bis unnahbar – eigentlich erwartungsgemäß und doch frisch. Sympathische Melancholie im Gefühlschaos dominiert eine weitere hochspannende Platte der unbequemen Fast-Ohrwurm-Art.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 06.11.2020
Erhältlich über: Metal Blade (Sony Music)

Website: delugeband.fr
Facebook: www.facebook.com/delugebandofficial

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Category: Magazin, Reviews

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