Kimono Drag Queens – Songs Of Worship

| 4. November 2020 | 0 Comments
Kimono Drag Queens

(c) Rik Saunders

Von Stress halten Kimono Drag Queens herzlich wenig. Seit der Gründung 2016 veröffentlichte das Septett mehrere Singles, nur um sich für die Aufnahmen zum Debütalbum gleich zwei Jahre Zeit zu lassen. Warum auch irgendwas übers Knie brechen, wenn sich Qualität letztlich durchsetzt? Die Australier zocken einen betörenden Mix aus Psychedelic Rock, Folk und 60s-Klängen, angenehm schwerfällig und zugleich federleicht schwebend. Irgendwo auf dieser widersprüchlichen Skala macht es sich „Songs Of Worship“ so richtig gemütlich.

Der eröffnende Titelsong bündelt gleich mal sämtliche Einflüsse in sechs Minuten. Gerade der lockere, flockige Bounce bleibt hängen und verleiht der ersten Hälfte eine gewisse Lässigkeit, bevor scharfkantige Gitarren einsetzen und gen ausladende, kilometerweite Jam-Landschaft entführen. Der Song zündet für wenige Minuten eine zweite Raketenstufe, zieht sich dann wieder meditativ zurück. Diesen Umweg kennt „Hunters In The Snow“ gar nicht und blubbert stattdessen von Anfang an los. Ein animierter Basslauf begleitet das Geschehen, zeigt sich beinahe tanzbar, während die Vocals mit verruchten Untertönen kokettieren. Schließlich und endlich bricht ein entfremdetes, episches Gitarrensolo auf dem Höhepunkt aus dem Dickicht.

Was allerdings durchgehend erhalten bleibt, ist das Händchen für musikgewordene Cinematographie. Zumindest lassen sich diese sechs Songs im Kopfkino-Sektor einordnen. Gerade das kurze, knappe „Evil Desires“ macht dies recht gut vor, besinnt sich auf das Wesentliche mit einem weiteren schweren, schrubbenden Bass. Im abschließenden „Willy’s World“ schleicht sich stellenweise sogar so etwas wie Heavyness ein. Das stete Spiel mit Lautstärke und Intensität, druckvollen Gitarrenwänden und Fernweh-Soli heben mit zurückgenommener Wucht ab.

Musikalische Widersprüche werden zu wertvollen Begleitern. Tatsächlich fühlt sich mancher Moment ungemein heavy und druckvoll an, tänzelt dennoch mit Grazie und Anmut durch folkig-proggige Gefilde. „Songs Of Worship“ hat durchaus Woodstock-Charme, bloß mit modernen Erkenntnissen und entsprechender Technik eingespielt. Der Psych-Ansatz von Kimono Drag Queens ist gleichermaßen altbacken und am Puls der Zeit, der Flow und der wabernde Bass kurzweilige Kunst. Es kann manchmal so einfach sein.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 06.11.2020
Erhältlich über: Copper Feast Records

Facebook: www.facebook.com/kimonodragqueens

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Category: Magazin, Reviews

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