neànder – eremit

| 7. Oktober 2020 | 0 Comments
neànder

(c) Basti Grim

Die Punktlandung von neànder zu Beginn des vergangenen Jahres war gleichermaßen eindrucksvoll und atemberaubend. Mit ihrem gleichnamigen Debüt nahm die Band um Musiker von Ånd, Paddy O’Hara, Earth Ship und Caspers Live-Formation keine Gefangenen – ein rein instrumentaler Monolith mit Elementen aus Doom-, Black- und Post-Metal, so knüppelhart wie melancholisch. In diesen Sound will sich das Quartett nun noch tiefer hineinbohren. „eremit“ sei das nächste Kapitel in der eigenen Identitätsfindung, so die Band.

Nur sechs Songs haben es auf diese Platte geschafft, davon ist ein Drittel Prelude oder Interlude, also bloßes Zwischenspiel. Macht für den Rest monolithische Action in Reinkultur. Freilich ist der Terminus ‚Action‘ mit Vorsicht zu genießen, denn bei aller Härte und Intensität bauen neànder ihre Songs weiterhin behutsam und gemächlich auf. „purpur“ deutet gleich mehrere kleine Druckwellen an, die jedoch bis kurz vor der Fünf-Minuten-Marke durch die Bank verebben. Schon schälen sich wuchtige, schwarzmetallische Husarenritte aus maritimen Klangbögen heraus und schrauben den Härtegrad mal eben gewaltig nach oben. Die Wucht behält das Quartett bei, nimmt bloß das drastische Tempo heraus – ein feiner, aufwühlender Zug.

Kaum philosophiert man noch über die Zusammensetzung dieses Wunderwerks, sind neànder bereits ein paar Türen weiter. Der Titeltrack „eremit“ spielt geschickt mit beklemmenden und doch beinahe harmonischen Zäsuren, bevor eine harsche Tempoverschärfung zum Schluss gekonnt an die Substanz geht. Davon hat „ora“ gleich mehrere, aber eben auch ein paar melodische Momente. Das Spiel von Licht und Schatten war selten so präsent bei den vier Berlinern. Zum Abschluss tastet sich „atlas“ mal eben an die Zwölf-Minuten-Marke heran. Da schwimmen natürlich ein paar Ambient- und Noise-Erkenntnisse mit, rund um das vielleicht eingängigste Riff der Platte – stellenweise thrashig, ohne die Zeitlupe wirklich zu verlassen, dann in herrlicher Isis the Band-Manier aufbereitet. Der komplette Neuaufbau nach dem Zusammenbruch mit XXL-Finale reißt mit.

Eigentlich wirkt so mancher Moment auf diesem Zweitling recht vertraut, ohne dass man auch nur annähernd von einem Abkupfern sprechen könnte, geschweige denn wolle. neànder tanken sich durch allerlei Bekömmliches im weiten Doom-, Blackgaze- und Post-Feld, suchen eben ihre eigene Identität. Und die will sich nicht so recht auf irgendetwas festnageln lassen. „eremit“ glänzt natürlich durch seine kompromisslose Wucht mit abstoßenden Untertönen, doch schleichen sich immer wieder zarte Knospen der Hoffnung ein, verkappte Harmonien und Melodien, seltene Silberstreife am Horizont des emotionalen Karglandes. Die Suche nach dem perfekten Riff im wuchtigen Dickicht reißt ein weiteres Mal gekonnt mit.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 09.10.2020
Erhältlich über: Through Love Records (Indigo)

Facebook: www.facebook.com/neanderhorde

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Category: Magazin, Reviews

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