Atlases – Woe Portrait

| 20. Oktober 2020 | 0 Comments
Atlases

(c) Lifeforce Records

Gibt es so etwas wie typisch finnische Melancholie? Wenn ja, dann haben Atlases diese mit Schöpfkellen gefressen. Erst 2017 von Ex-Oceanwake-Gitarrist Ville-Veikko Laaksonen gegründet, bringt es das nordische Quintett bereits auf ein Album und mehrere Singles sowie Kleinformate. Der eigentümliche wie hochspannende Mix aus Post Metal, Melodic Death, Blackgaze und Ambient fand bei Lifeforce Records eine passende Heimat, mit „Woe Portrait“ steht nun der nächste Full-Length-Nackenschlag in den Startlöchern.

Diese neue Platte bäumt sich weitestgehend rund um einen infernalen wie aufwühlenden Doppelschlag, den Zweiteiler „The Unsung Lament“, auf. „Apparition“ schnitzt an einer verklärten Bühne. Feinsinnige, melodische Detailarbeit mit Post-Rock-Qualitäten und bewegendem Gesang baut eine kurze, durch Mark und Bein fahrende Melodic-Death-Doom-Explosion auf. Wütende, heisere Vocals bereiten auf den noch bissigeren zweiten Abschnitt „Silhouettes“ vor. Hier schlägt die Stimmung endgültig ins Post-Metallische um mit erstaunlicher Wucht, dicken Wänden und, im richtigen Moment pointiert umgesetzt, feinstem Klargesang als Auge des beklemmenden Sturms.

Rundherum basteln die Finnen packende Klangcollagen mit unzähligen Überraschungen. Der Opener „Dreadlight“ führt für wenige Sekunden auf die falsche Crossover-Fährte, nur um mit brachialer Wucht alles niederzubügeln, was sich in den Weg stellt. Kleine Black-Querverweise, schwerfällige Gitarren und abermals butterweicher Klargesang am Höhepunkt nehmen keine Gefangenen. Das Epos „Phoenix Trail“ wirft hingegen wieder alles in die atmosphärische Waagschale. Natürlich folgt der kleine Wutausbruch mit nicht von der Hand zu weisenden Parallelen zu Swallow The Sun, doch unterhalten die nachdenklichen Ambient-Wellen rundherum mindestens ebenso sehr.

Wer Atlases bislang nicht kannte, erlebt eine im wahrsten Sinne spannende Band, denn eine gewisse Anspannung gehört zum Genuss dieses Zweitlings dazu. Dichte Atmosphäre, unerwartete Explosivität und mächtige, schroffe Melodie-Druckwellen geben sich die finstere Klinke in die Hand. „Woe Portrait“ verbindet Schönklang mit Hässlichkeit und trumpft mit der wohl etatmäßigen Melancholie auf – angenehm kaputt, abgehangen und krachend, zugleich wunderschön. So klingt der nordische Spätherbst.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.10.2020
Erhältlich über: Lifeforce Records (Membran)

Facebook: www.facebook.com/atlasesband

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Category: Magazin, Reviews

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