Oceanwake – Lights Flashing In Mute Scenery

| 25. April 2019 | 0 Comments
Oceanwake

(c) Lifeforce Records

Die Unkategorisierbaren sind wieder da: Was für Musik Oceanwake genau machen, lässt sich schwer sagen. Doom, Melodic Death, Post und Prog kollidieren wiederholt miteinander, in reduzierte und doch angenehm dichte Arrangements gepackt. Bis dato veröffentlichten die Finnen aus der kleinen Küstenstadt Luvia drei Alben, nun steht ein weiteres in den Startlöchern. „Lights Flashing In Mute Scenery“ entblättert sich Schicht für Schicht.

Komplexe Musik unheimlich einfach aufbereitet, das ist das finnische Geheimrezept. Oft merkt man erst zu spät, dass man sich bereits mitten im Sog befindet. „Travelogue“ ist einer dieser Tracks, die komplett einlullen. Folkige Sounds, kaum Strom und beschwörender Gesang bäumen sich mehr und mehr auf, durch einzelnde spitze Schreie unterbrochen. Die Spannung ist greifbar, das Nervenkostüm bis zum Zerreißen gespannt – eine angenehm manische Grenzerfahrung, die in „The Occult“ einen elektrisierenden großen Bruder findet. Wuchtige Gitarren treffen auf todtraurige Einschübe und kurze, heftige Eruption. Die Mischung aus süßlichen Melodien und aggressiven Muskelspielen geht unter die Haut. Cult Of Luna lassen in manchen Momenten grüßen.

An anderer Stelle finden beide Welten zusammen, und das gelingt im Rausschmeißer „Posthuma“ vielleicht am besten. Konstante Gefahr, kehlige Growls und nervöse Grundstimmung mit klaren, sauberen Gitarren kollidieren wiederholt. Die große Explosion ist nahe, fährt ursprünglich in den Klargesang hinein, nur um am Höhepunkt zu versickern. Dieses Spiel mit den Gezeiten und Stimmungen zieht sich wie ein roter Faden durchs Album und wächst unter anderem in „Season Of The Rain“ oder dem angenehm beklemmenden Opener „Radiant Nightbreak“ samt komplettem Zusammenbruch über sich hinaus.

Grandios nervös: „Lights Flashing In Mute Scenery“ entpuppt sich als unbequemes Stückchen Musik, als widerborstige Platte mit mehreren Eskalationsstufen und als Showpiece in metallischem Minimalismus. Oceanwake wecken Erwartungen, nur um konsequent an diesen vorbeizuspielen – klingt einfach, ist in Wahrheit aber unwahrscheinlich komplex, clever und begeisternd. Die omnipräsente bittere Süße des baldigen Untergangs fährt durch Mark und Bein und sorgt für hochspannende Momente von der ersten bis zur letzten Minute.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 26.04.2019
Erhältlich über: Lifeforce Records (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/OceanwakeFi

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Category: Magazin, Reviews

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