Maggot Heart – Mercy Machine

| 10. Juli 2020 | 0 Comments
Maggot Heart

(c) Joe Dilworth

Das Ende von The Oath und der Ausstieg bei Beastmilk bzw. Grave Pleasures war für Linnéa Olsson nur der Anfang. Seit geraumer Zeit ist die in Berlin ansässige Schwedin mit ihrem Solo-Schauplatz Maggot Heart unterwegs. Von verschiedenen Wegbegleitern sowie Session-Musikern unterstützt, spielt sich ihr Sound irgendwo an der Schnittstelle zu (Post) Punk, Hard Rock und Heavy Metal ab. „Mercy Machine“ ist ihr zweites Studioalbum.

„Second Class“ eröffnet mit einem schroffen, unbequemen Statement. Wütende Dissonanzen, beklemmende Düsternis und eine wahrlich komische Stimmung machen sich breit, dann erhebt Olsson ihre Stimme – ruhig, bestimmt, konzentriert. Selbst im großen Chaos dieser durchaus laut gemasterten Platte, selbst beim plötzlich Saxofon-Einsatz bleibt sie der Fels in der Brandung, nur um in der zweiten Hälfte mehr Biss und Dreck mitzubringen für ein großes Finale. Danach vertont „Sex Breath“ eines der drei Themen dieses Albums neben dem Tod und dem Streben nach Freiheit. Die deutlich punkigeren, in der Garage residierenden Maggot Heart machen ihre Sache prima.

In weiterer Folge entwickelt sich ein wahres Wechselbad der Gefühle. Der schroffe, beständige und doch entschlackte Drive von „Gutter Feeling“ erinnert ein wenig an die alte Beastmilk-Zeit, nimmt deren beklemmenden Drive mit und klingt dennoch urtypisch nach Olsson. Wie die einzelnen Silben förmlich aus ihr herausschießen, beeindruckt. Etwas gedämpft gibt sich hingegen „Lost Boys“. Von ausgesuchter Reduktion begleitet, schwingt ungewöhnliche Wut in den Stimmbändern mit. Die instrumentale Abteilung zieht erst spät mit, dann dafür so richtig. „Justine“ als post-apokalyptischer Schwanengesang und das herrlich verruchte, urplötzlich abhebende „Modern Cruelty“ sind weitere ausgesuchte Leckerbissen.

Vertraute Töne in neuem Gewand: „Mercy Machine“ knüpft locker an das spannende Maggot Heart-Debüt an, passt perfekt zu Linnéa Olssons bisherigem Schaffen und wirkt doch auf gewisse Weise anders. Der apokalyptische Punk, das retrolastige Geschrubbe aus der Garage, die protometallische Ursuppe mit stoischer Bedrohlichkeit – all das greift auf erfrischende Weise ineinander und bleibt sofort hängen. Gnade darf man sich nicht erwarten, und das ist auch gut so.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.07.2020
Erhältlich über: Rapid Eye Records

Website: www.maggotheart.com

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Category: Magazin, Reviews

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