Intronaut – Fluid Existential Inversions

| 24. Februar 2020 | 0 Comments
Intronaut

(c) Vince Edwards

Hat man erst einmal einen Lauf, sollte man ihn tunlichst… unterbrechen? Nach mehreren Überalben, zuletzt „The Direction Of Last Things“ im Herbst 2015, hatten Intronaut fleißig neues Material geschrieben und wollten eigentlich Anfang 2017 schon wieder zurück ins Studio. Allerdings fühlte man sich ausgebrannt und legte stattdessen eine längere Pause ein. Schlagzeuger Danny Walker ging zwischenzeitlich von Bord, und so holte man sich mit Alex Rudinger einen erfahrenen Session-Drummer, der bereits Erfahrung bei The Faceless und Whitechapel sammeln konnte. Auf „Fluid Existential Inversions“ klingt das Prog-Trio nun tatsächlich frischer denn je.

Die Auseinandersetzung mit existenziellen, philosophischen Fragen – eine Evolution der Ideen könnte die Antwort auf alle Fragen sein – begleitet 53 wechselhafte, komplexe Minuten. Während das kurze Intro in media res explodiert, arbeitet sich „Cubensis“, der erste echte Track, eine Spur vertrackter voran. Jede Note wirkt dezent entstellt, möglichst kompliziert gestaltet, dabei überaus modern gehalten. Nur wenige Töne von Djent entfernt, drehen Intronaut das Arrangement urplötzlich auf links und versuchen sich an feinsinnigen, butterweichen Klangsphären der Neo-Prog-Schule.

Während man sich noch wundert, was denn hier gerade geschehen ist, befindet sich die Band schon gefühlte drei Türen weiter. „Tripolar“ lässt so ziemlich alle musikalischen Fäden dieses Albums zusammenlaufen. Von monumentalen, weltumarmenden Hymnen-Momenten über angedeutetes Geballer bis zum beinahe jazzigen Instrumental-Einschub bringt der Track alles mit. Die nötige Härte holt der Rausschmeißer „Sour Everythings“ aufs Tableau. Wiederholende Druckwellen kollidieren mit einem Ur-Bedürfnis für Harmonie. Ein paar Türen weiter zieht „Speaking Of Orbs“ zuweilen derbe Seiten auf, treibt die Heavyness in bleierne Höhen und findet dennoch wieder zurück zu unorthodoxer Schönheit.

Bloß nicht geradlinig, bloß keine Erwartungen erfüllen: Natürlich, möchte man beinahe sagen, schlagen Intronaut unzählige Haken, und klingen doch deutlich melodischer als zuletzt. Die bärbeißige, furiose Härte sucht man auf „Fluid Existential Inversions“ weitestgehend vergeblich, und doch fehlt sie zu keinem Zeitpunkt. Sludge- und Extreme-Anteile bleiben erhalten, wenngleich nur noch in kurzen Sprints und Einschüben. Stattdessen bemühen die US-Amerikaner Atmosphäre, dicke Riffs und komplexe Strukturen mit zahlreichen Kniffen und Wendungen. Das ist auf andere Weise komplex, aber nicht minder begeisternd. Alles richtig gemacht von der Pause bis zur verfeinerten Ausrichtung.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 28.02.2020
Erhältlich über: Metal Blade (Sony Music)

Facebook: www.facebook.com/Intronaut

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Category: Magazin, Reviews

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