Lowrider – Refractions

| 21. Februar 2020 | 0 Comments
Lowrider

(c) Anna Liden Wiren

In den späten 90ern und frühen 2000ern verpassten Lowrider der europäischen Fuzz- und Desert-Rock-Szene gleich mehrere Arschtritte. Die schwedischen Brüder im Geiste von Kyuss veröffentlichten ein Album, eine Split-Single und eine Handvoll Compilation-Beiträge, bevor man von der Bildfläche verschwand. Seit dem Jahr 2013 tritt man immer wieder mal auf Festivals auf, jetzt ist es Zeit für neues Material. „Refractions“ ist aber nicht nur eine Pflichterfüllung, sondern ein bärenstarkes Rock-Album mit Herz, Seele, Hirn und Leidenschaft.

Das eröffnende „Red River“ orientiert sich stark am früheren Schaffen der Skandinavier, passt aber auch perfekt in die Gegenwart – ein erstes deutliches Zeichen für den zeitlosen Sound der Schweden. In etwas über fünf Minuten spielt sich das Quartett in einen schwer groovenden Rausch mit mehreren kleinen Soli, energiegeladenem Gesang und einem wunderbar verwaschenen Mittelteil, mit dezenten Psych-Qualitäten – ein erstes Anzeichen dafür, was noch kommt. „Ode To Ganymede“ knüpft daran an, wenngleich von Anfang an dezent neben der Spur operierend. Dieser latente Wahnsinn hat Methode und mündet in einem ausladenden Instrumentalteil mit wildgewordener Orgel.

Am anderen Ende des Albums lauert „Pipe Rider“, direkt mal die Elf-Minuten-Marke überspringend. Lowrider packen mal eben alles in diesen Endlos-Jam mit seinen fuzzigen Schleifen und einer kleinen Hommage an die Verstärker-Partys der US-Urväter – knackig, abgedreht und doch herrlich meditativ. Ein „Sernanders Krog“ hält locker mit und groovt wie Sau. Was hier vor allem vom Tieftöner kommt, lässt das Tanzbein schwingen. Zwischendurch sorgen „Sun Devil / M87*“ und „Ol‘ Mule Pepe“ für klassisch-wuchtige Desert-Kost zum Abrunden.

„Refractions“ erfindet das Rad nicht neu, aber das ist zwei Jahrzehnte nach einem der wichtigsten Genre-Alben diesseits des Teichs eigentlich auch ziemlich egal. Lowrider bestätigen die erstaunliche Form ihrer Live-Shows der letzten Jahre mit einem bunten Strauß an Riffs, Jams und beseelten Stilblüten. Die ungekrönten Desert-Fuzz-Könige wagen einen neuen Anlauf und zeigen eindrucksvoll, warum sie so wichtig für die europäische Wüsten-Szene waren – und eigentlich nach wie vor sind.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 21.02.2020
Erhältlich über: Blues Funeral Recordings (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/lowriderrock

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Category: Magazin, Reviews

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