Gorilla – Treecreeper

| 17. Juni 2019 | 0 Comments
Gorilla

(c) Heavy Psych Sounds Records

Als Teil der großen Stoner-Welle in den 90ern blieben Gorilla eher in der Nische hängen, erarbeiteten sich trotzdem ein treues Publikum. Die Briten zählen zu den wenigen Überlebenden der größten Hochphase des Genres, auch wenn sie in den letzten Jahren zumindest im Studio etwas langsamer machten. „Treecreeper“ ist das erste Studioalbum seit stolzen zwölf Jahren und lässt sich – natürlich – nicht auf reinen Stoner-Sound reduzieren. Fuzz, Blues, Psychedelic und ein wenig Hard Rock mischen fröhlich mit.

Wer Gorilla bislang nicht kannte, dürfte sich vor allem über den knorrigen „Gesang“ wundern. Tatsächlich lässt sich Lemmy in den kehligen Stimmbändern Johnny Gorillas anschauen. Mit einem Tribute-Act hat das Trio allerdings herzlich wenig zu tun, auch wenn es gelegentlich vergleichsweise geradlinig vor sich geht. Das eröffenende „Scum Of Earth“ spielt mit Fuzz- und Punk-Elementen, dreht sämtliche Regler auf Elf und rockt in unwiderstehlicher Manier voran. Das schweißtreibende, mit klassischen Rock’n’Roll-Sounds befeuerte „Ringo Dingo“ schlägt in eine ähnliche Kerbe.

Was die Band ebenfalls prima beherrscht, sind überlange Epen, die sich erst nach mehreren Durchläufen so richtig entblättern. So geht „Last In Line“ erst einmal an die Substanz, denn die schroffen Hard-Rock-Druckwellen lassen sich bestenfalls kauzig nennen. Greifbare Leidenschaft und kurzweilige Gitarrenarbeit nehmen keine Gefangenen. Die psychedelische Seite des Stoner-Genres betont hingegen „Cyclops“. Monster Magnet linsen ums Eck, wenn sich dieser gemächliche Gigant in aller Ruhe erhebt und wild zu gestikulieren beginnt. Kurze Wutausbrüche zwischendurch machen eine an sich bereits gute Idee zum Überflieger dieser Platte.

Gorilla bleiben komplett durchgeknallt, aber eigentlich ist eben das ihre Stärke. „Treecreeper“ fällt mit der Tür ins Haus, schiebt eine kurze Entschuldigung hinterher, nur um den Dachboden zu zerlegen und wie in Trance durch den Keller zu tänzeln. Die Stoner-Veteranen packen ein erwartet unbequemes Album mit kleinen Glanzlichtern aus und rufen sich ein weiteres Mal in Erinnerung. In dieser Form dürfte das gerne öfter der Fall sein.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 21.06.2019
Erhältlich über: Heavy Psych Sounds Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/GorillaRockin

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Category: Magazin, Reviews

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