Mediøkrist – Traumwelt

| 18. Juni 2019 | 0 Comments
Mediøkrist

(c) Kai Pilz

Knackiger Metalcore mit deutschen Texten und gesellschaftskritischen Untertönen – war da nicht irgendwas? Tatsächlich wecken Mediøkrist allerlei vertraute Erinnerungen. Das Sextett aus Krefeld und Duisburg legte ursprünglich auf Englisch los, bevor nach diversen Umbesetzungen 2017 der Neustart folgte. Auch ist ihr Sound alles andere als reiner Metalcore, denn unter anderem halten Hardcore-, Punk-, Pop- und sogar 80s-Elemente Einzug. Entsprechend bunt und doch fokussiert gibt sich das Debütalbum „Traumwelt“.

Gerade der Titelsong „Traumwelt“ bringt den charmanten Wahnsinn der deutschen Nachbarn prima auf den Punkt. Wütende Strophen, eingängig intonierter Refrain mit zeitlosem Pop-Appeal und ein manischer Breakdown preschen mit ordentlicher Durchschlagskraft aus den Boxen. Die schiere Wucht dieser vier Minuten reißt von den Sitzen, während die Melodieführung durchaus untypisch ausfällt. „Neo Homo Superior“ blubbert hingegen elektronisch los – The Mad Capsule Markets lassen grüßen – bevor es wütend stampfend nach vorne geht. Das Haupthaar schüttelt sich automatisch mit.

Mediøkrist haben gleich mehrere Mini-Hits geschrieben. „Monochrom“ erinnert stellenweise etwas an die frühen Shadows Fall, während der Chorus die poppigsten Momente von Killswitch Engage mitnimmt – gewiss etwas formelhaft, aber eben auch verdammt gut. Die wuchtige Hardcore-Ausprägung von „Spiegel“ wird im Sprint abgehandelt und findet in „#Danke Menschheit“ einen etwas ausladenderen, differenzierteren großen Bruder. In „Exitus“ dreht das Sextett hingegen sämtliche Regler auf Elf, entdeckt neue Wucht, ja sogar klassische Hard-Rock-Elemente – wohlweislich in ein gewohnt wütendes, druckvolles Klangbild eingebettet.

Für ein Debütalbum ist „Traumwelt“ geradezu unverschämt gut. Natürlich drängt sich unweigerlich der Callejon-Vergleich auf, und so fühlt man sich immer wieder an die zombiehaften Anfänge der Band erinnert. Allerdings nehmen Mediøkrist, wenn man so will, die musikalische Öffnung ihrer Landsleute bereits voraus, wenngleich wuchtiger und selbstbewusster umgesetzt. Gevatter Metalcore erfährt 40 Minuten lang eine spannende Renaissance und stellt zudem eine hochinteressante, talentierte Band mit großem Potenzial vor.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 21.06.2019
Erhältlich über: Timezone

Facebook: www.facebook.com/mediokrist

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Category: Magazin, Reviews

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