Bokassa – Crimson Riders

| 19. Juni 2019 | 0 Comments
Bokassa

(c) Ole Ekker

Als Bokassa im März 2017 ihr Debütalbum „Divide & Conquer“ veröffentlichten, ging es noch recht beschaulich vor sich. Einige Monate später erklärte Lars Ulrich die Norweger zu seiner neuen Lieblingsband und lud das Trio als Opener auf die aktuellen Metallica-Sommertour durch Europa ein, auf der sie gemeinsam mit Ghost auch im Wiener Ernst-Happel-Stadion einheizen werden. Zumindest auf Platte ließen sich die Herren aus Trondheim herzlich wenig davon beeindrucken. „Crimson Riders“ nimmt nun, wie Bokassa selbst meinen, sämtliche Extreme mit – mehr Härte, mehr Pop-Appeal, mehr Melodie und mehr Uptempo.

Der auf dem Einstand kultivierte ‚Stoner Punk‘ bildet weiterhin das Rückgrat des Bokassa’schen Sounds, wenngleich nun in mehrere Himmelsrichtungen ausschlagend. „Mouthbreathers Inc.“, der erste Vorbote, bringt das wilde Treiben der Norweger prima auf den Punkt. Heisere, kehlige Shouts, wütende Riffs und eingängige Gang-Shouts im Refrain verbinden Heavyness mit Melodie, drücken förmlich an die Wand und lassen zugleich hymnische Momente zu. In „Captain Cold One“ lebt das Trio sein Faible für Hardcore Punk aus, nur um einen Turbonegro-Mitsingpart par excellence am absoluten Höhepunkt auszupacken. Selbst für ein kurzes, aber effektives, semi-balladeskes Breakdown bleibt Platz.

So eingängig und mitreißend die Tracks auch ausfallen, geradlinig geht anders. Man stelle sich Kvelertak ohne Extreme-Metal-Ausritte vor. Auch Bokassa schlagen immer wieder kleine, unerwartete Haken. Über weite Strecken entpuppt sich „Vultures“ als radiofreundlicher, geradliniger Rocker. Aus dem Nirgendwo drängt ein Saxophon in bester Motorpsycho-Manier an die Oberfläche – warum eigentlich auch nicht? Zum Abschluss widmet sich „Immortal Space Pirate 2: The Last Shredi“ der klassischen Weltraumoper. Manische Blastbeats, ein angeknackstes Cello und die vielleicht poppigsten Momente dieser Platte geben sich die Klinke in die Hand für ein waschechtes Westentaschenepos.

Sind sie nun poppigere Red Fang, dreckigere Cancer Bats oder härtere Turbonegro? Die kurze Antwort lautet JA. Mit einer knappen halben Stunde Spielzeit fällt dieses zweite Album überaus kurz aus, dafür haben sich hier ausschließlich Killer versteckt. „Crimson Riders“ baut auf einem bereits guten Sound auf und reißt mit purer Leidenschaft und ungezügelter Spielfreude so richtig mit. Bokassa zeigen sich zudem angenehm unberechenbar, denn hinter jeder Ecke lauern neue kleine Überraschungen. Spätestens mit dieser Platte ist die Festivalsaison so richtig eröffnet.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 21.06.2019
Erhältlich über: MVKA (Rough Trade)

Website: www.bokassaband.com
Facebook: www.facebook.com/BokassaBand

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Category: Magazin, Reviews

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