Bear – Anhedonia

| 19. Mai 2026 | 0 Comments
Bear

(c) Yngwie Vanhoucke

Wie sieht der Weg zurück nach schwerem Trauma und einschneidenden Erlebnissen aus? Auf „Vanta“ verarbeitete James Falck die schlimmste, schwierigste Zeit seines Lebens und ließ Bear zugleich noch wütender, noch komplexer und noch anspruchsvoller erklingen. Nach dem Release öffneten sich viele Türen, doch wirklich genießen konnte er sie bis vor nicht allzu langer Zeit nicht wirklich. Die neue EP „Anhedonia“ beschreibt den Zustand der letzten Jahre – eine Phase, die eigentlich viel Grund für Dankbarkeit bot, die jedoch von Taubheit, Sorge und Gleichgültigkeit ob der erlittenen Schmerzen geprägt war.

Aus vermeintlicher Nachdenklichkeit entwickelt sich schnell ein zermürbender Stomper: „Empty Markers“ schraubt das Tempo sukzessive in die Höhe, bringt Math und Groove mit vermehrt progressiver Energie zusammen, die bereits auf „Vanta“ prima funktionierte. Der wie eine Luftspiegelung anmutende Klargesang trifft mitten ins Herz, später spielen die Belgier sogar mit einer gesunden Portion Thrash. Von derlei Wechselspiel hält „Lacerate“ hingegen herzlich wenig und bringt einfach alles enger zusammen. Schwerfällige Djent-Wände, ein schier undurchdringliches Dickicht und ein feiner Hauch Melodik mittendrin lassen Bear so linear wie selten klingen, sofern man das bei diesem Quartett überhaupt sagen kann.

Falsche Zurückhaltung kennt „The Smile“ nicht und explodiert regelrecht aus den Boxen. Der entschleunigte Chorus mit einer feinen Prise Post Punk im Unterbau und Vocals, die fast an Killing Joke andocken, ist eine willkommene Überraschung. Hingegen lässt sich der Titeltrack „Anhedonia“ zunächst etwas bitten und langt schließlich beherzt zu. Wütendes Stampfen, ein weiterer hymnischer Hauptteil und die ausgestreckte Hand, die stets wieder zurück in den emotionalen Sumpf zerren will, sorgen für eine erschöpfende Math-Grenzerfahrung. „Metastatic“ beschließt diese EP hingegen mit jener Wucht, die man von den Belgiern bestens kennt. Hoher technischer Anspruch, komplexe Math-Wände und glockenheller Gesang zwischendurch zermürben.

Keine 20 Minuten benötigen Bear für diesen Husarenritt und machen damit so ziemlich alles richtig. Falck spielt sich den Frust von der Seele und blickt auf eine bizarre Phase seines Lebens zurück, die verdiente Euphorie im Keim erstickte. „Anhedonia“ illustriert dieses konstante Wechselbad der Gefühle, die stets kollidierenden Aufs und Abs auf beeindruckende Weise. Fünf Tracks mit wütender Härte, technischer Expertise und noch mehr packenden, feinsinnigen Melodien entwickeln den Sound der Belgier weiter und rücken sie mehr denn je in Richtung Modern Extreme Prog, wenngleich mit angenehm eigener, unvorhersehbarer Note. Auf dass die nächste Platte dennoch einen fröhlicheren Hintergrund haben mag.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.05.2026
Erhältlich über: Pelagic Records

Website: www.bearpropaganda.com
Facebook: www.facebook.com/bearpropaganda

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Category: Magazin, Reviews

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