Source – Totality

| 28. Februar 2019 | 0 Comments
Source

(c) Pavement Music

Während Tool weiterhin auf sich warten lassen – ob es wirklich etwas mit Sommer 2019 wird? – drängen zahlreiche junge Bands nach, um die progressiv-düstere Rock-Lücke zu füllen. Source allerdings trotz hörbarer musikalischer Verwandschaft einzig auf diese Schublade zu reduzieren, würde dem Trio aus Boulder im US-Bundesstaat Colorado Unrecht tun. Was sich bereits auf dem Debüt „Return To Nothing“ zeigte, wird nun auf „Totality“ deutlich: Hier spielt sich eine echte Zukunftshoffnung Schritt für Schritt frei.

Das eröffnende „Benjamin“ macht nach kurzem Sample-Sturm deutlich, wohin die Reise geht: Schroffe, beinahe metallische Riffs und knisternde, aus der Ruhe bezogene Spannung steuern in vertraute Gefilde, wie sie auch Chevelle oder Maynard James Keenans andere Band A Perfect Circle zumindest im Frühwerk zu bedienen wussten. Schnell ist der schwerfällige und doch so hymnische Refrain erreicht, eine tiefe Verbeugung vor einem ganzen Genre. Frontmann Benjamin Gleason versteht es geschickt, bedeutungsschwangere Untertöne in seine Stimme einzubauen. Hier brodelt es gewaltig.

Diese angenehm schwere Stimmung hält sich die gesamten 50 Minuten dieses Zweitlings. Ein „The Changes Constant“ betont die proggigen Ansprüche der Band. Über einen verspielten Piano-Part hangeln sich Source in einen vertrackten Song mit komplexem Rhythmus, wechselndem Tempo und so manchem metallischen Ausbruch. Um die Struktur dieses Kleinods einigermaßen zu entschlüsseln, braucht es mehrere Durchläufe. Im angenehm hymnischen, dezent gen Breaking Benjamin schielenden „Intimacy“ geht das deutlich einfacher – ebenso ein Volltreffer wie das druckvolle „Unsure“ und das sich mehrfach häutende „The Witness“. Selbst der gigantomanische, an der Zehn-Minuten-Marke kratzende Rausschmeißer „Embodied“, der mit klassischen Prog- und sogar Jazz-Elementen kokettiert, geht auf.

„Totality“ ist schwere und doch eingängige Kost. Tool-Sound hin oder her, der Großteil der Songs brennt sich schnell ein, zeigt sich dabei aber anspruchsvoll genug, um mit zahlreichen Kniffen und Wendungen anhaltend zu begeistern. Source knüpfen souverän an ihr Debüt an mit einer weiteren düsteren, progressiven Rock-Platte, die binnen Sekunden komplett für sich einnimmt. Warum diese Band nicht schon längst viel größer ist, bleibt ein Mysterium.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 01.03.2019
Erhältlich über: Pavement Music

Website: www.listentosource.com
Facebook: www.facebook.com/listentosource

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Category: Magazin, Reviews

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