Halcyon Days – Nothing To No One // Something To Someone

(c) Anine Desire
Seit geraumer Zeit ‚klopfen‘ Halcyon Days ganz oben an. Das 2016 gegründete Quartett aus Norwegen zockt eine Mischung aus Post-Hardcore und Metalcore, die sich jenseits von Trends und Zeitgeist bewegt – heavy, melodisch, ruppig und stets emotional aufgeladen. Ihr letztes Album hat inzwischen fast fünf Jahre auf dem Buckel, eine kleine Verschnaufpause im Studio war wichtig. Mit „Nothing To No One // Something To Someone“ geht es nun wieder in die Vollen, begleitet von einer vielschichtigen Gefühlspalette rund um Isolation, Selbstzerstörung, Liebe, Wut, Burnout, Verlust und drohende Veränderung.
Einfache Lösungen und Happy Ends gibt es nicht – viel wichtiger ist das nahezu konstante Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, aufzugeben, und dem Drang, immer wieder aufzustehen. „My Heart Is My Compass“ ist als Gradmesser und Kampfansage zu verstehen, fällt regelrecht aus den Boxen. Robbe Madsen brüllt und schreit mit beeindruckendem Elan, die Stakkato-Attacken ringsum und der plötzlich einsetzende Beinahe-Chorus mit melodischen Untertönen überrollen regelrecht. In „Nightless Nights“ hält eine Art Melancholie Einzug und schneidet den doppelten Boden mit ausgesuchter Präzision durch. Das hat stellenweise fast schon etwas von einer Hymne, es fehlen bloß die echten Hooks.
Die hat „Save Me From Myself“ dafür zu bieten, ein kleiner Ausreißer. Gemeinsam mit Jonas Hansen von Fixation werden die emotionalen Aspekte des eigenen Sounds in den Mittelpunkt gerückt, selbst für ein paar klare Vocals und klaustrophobe Melodien bleibt Platz. Halcyon Days spielen mit dieser angenehm anderen Facette spannende Stärken aus. Davon hält „Something To Someone“ hingegen nichts und überrollt mit einer Form von Urgewalt, die angenehm an die Metalcore-Ursuppe erinnert. In „Nothing To No One“, quasi der zweite Teil des Titelsongs, fühlen sich die Norweger hörbar hin- und hergerissen, fallen von einem Extrem ins nächste. Einer der besten Breakdowns der gesamten Platte ist das kurzweilige Ergebnis.
Innere Zerrissenheit als steter Begleiter für ein aufwühlendes, beherztes Lebenszeichen: So stark hat man Halcyon Days wahrscheinlich noch nie gehört. Ihr Sound bleibt angenehm aus der Zeit gefallen und könnte doch kaum näher an der unbequemen Gegenwart sein. Das stete Auf und Ab, der konstante Kampf im Inneren – „Nothing To No One // Something To Someone“ illustriert diesen auf eindrucksvolle Weise. An der rabiaten, aufwühlenden Kreuzung zwischen Hardcore und Metal haben vier Norweger ihre Zelte aufgeschlagen und überraschen mit einem kleinen, aber mehr als feinen Leckerbissen.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Indie Recordings
Facebook: www.facebook.com/hvlcyondvys


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