Oh Hiroshima – And The Dead Tree Gives No Shelter

(c) Oh Hiroshima / Pelagic Records
Nahezu klammheimlich erspielten sich Oh Hiroshima im Laufe der letzten Jahre und Alben ihre Position als eine der interessantesten, ungewöhnlichsten Post-Rock-Bands. Das schwedische Duo liebt seine musikalische Vielfalt, die unter anderem Art Rock und Shoegaze einschließt. Auf ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum, einmal mehr von Magnus Lindberg (Cult Of Luna) abgemischt, wagen sie sich noch weiter hinaus. „And The Dead Tree Gives No Shelter“ setzt auf Prog-Einflüsse, auf dichte Atmosphäre und auf nahezu konstantes Spiel mit verschiedenen Emotionen und Klangfarben.
Während die Aussichten von so etwas wie einer Zukunft weiter schwinden und destruktives Verhalten die Oberhand gewinnt, bemühen Oh Hiroshima Hoffnung und Bedeutung, erklären Verletzlichkeit zur willkommenen Maxime. Die Magie eines „Meridian“ treibt all das und noch viel mehr auf die Spitze. Speziell das Zusammenspiel zwischen Schlagzeug und Bass, lebhaft und schwermütig zugleich, kommt richtig gut, während das alles erdrückende Plateau weiter und weiter nach hinten geschoben wird. Wenn es schließlich kommt, dann fällt es verschroben aus, verwaschen und roh. Das zarte, einfühlsame „Ivory Town“ ist das entsprechende Gegenstück, tastet sich heran und ringt zugleich um Fassung.
Und damit kratzt man bestensfalls an der Oberfläche: „Skeleton Key“ baut binnen Sekunden brodelnde Intensität auf, lässt die Vocals ermüdet aus dem Arrangement fallen und verbindet metallisch angehauchte Wucht mit der ganz feinen Klinge. Da werden schon mal Erinnerungen an Caspian wach – wie auch im gigantischen „Servant Of All“, das wieder und wieder den Song aufbricht und mit hymnischer Magie auftrumpft. Scharfkantiger Gaze und ruppiger Dream-Rock halten Einzug. Am anderen Ende des Albums verschiebt „Dream Cloud“ die sprichwörtlichen Vorzeichen noch weiter – mit butterweichen Vocals, donnernden Drums und angriffslustigem Basslauf. Die letzten zwei Minuten schaffen exzellente eingängige Heavyness.
Wieder etwas anders, wieder richtig gut – das sollte mittlerweile eigentlich keine Überraschung mehr sein. Einmal mehr lehnen sich Oh Hiroshima aus dem Fenster und lassen ihrer Kreativität freien Lauf. Ihr neuer Longplayer lotet ihre musikalischen Extreme weiter aus, gibt sich lauter und einfühlsamer zugleich. Optimismus und Hoffnungslosigkeit befinden sich in nahezu konstantem Konflikt während dieser Dreiviertelstunde, zwischen himmlischem Gesang und rohen, beinah noisigen Texturen. „And The Dead Tree Gives No Shelter“ zeigt die Schweden ein weiteres Mal in richtig guter Form und treibt die Post-Rock-Frischzellenkur bärenstark voran.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Pelagic Records
Facebook: www.facebook.com/ohhiroshima


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