Ernia – Ernia

| 5. Dezember 2018 | 0 Comments
Ernia

(c) Ernia

Während sich durchgeknallte und doch anspruchsvolle Grind-Bands wie Fuck The Facts aktuell relativ rar machen, wird händeringend nach Ersatzdrogen gesucht. Hier treten Ernia auf den Plan. Das Quintett aus Logroño im Norden Spaniens versteht sich auf eine breite Palette an Einflüssen, welche, wie sie selbst sagen, von Carcass bis John Coltrane reichen. Nach mehreren Kleinformaten erscheint nun ihr Debütalbum, schlicht „Ernia“ betitelt.

13 Songs in 28 Minuten – für Genre-Verhältnisse klingt das beinahe episch, und so widmen sich Ernia auch schon mal etwas längeren Tracks. „Forest Pt. 1 (Blind Willow / Sleeping Woman)“ ist einer von zwei Songs, welche die Drei-Minuten-Marke knacken. Angesichts des wütenden Sprints will man das nicht so recht glauben – 45 bissige Sekunden schlagen wild um sich, dann wird es vertrackter. Math- und Jazz-Einflüsse zersetzen das Arrangement förmlich und lassen nur wenig Platz für präzise ausgerichtete Wut.

Eben jene Bandbreite macht die Spanier allerdings so richtig spannend. Tracks wie „Time To Find The Broken Days (Stand By)“ bleiben sofort hängen. Auch wenn es ein wenig dauert, bis Ernia in diesen Midtempo-Dampfhammer reingefunden haben, der konstante Gummitwist, das stete Ausschlagen in alle Richtungen kommt gut. Kürzere Episode, wie „Forest Pt. 2 (The Seventh Man)“ und das durchgeknallte „Burn The Tail Of The Dead Rat“ kommen gut, doch letztlich punktet das Quintett mit der manischen Komplexität eines „The Limits Of Purity“ oder „Free Of Avidya“ erst so richtig.

Klar, was Ernia hier fabrizieren, geht an die Substanz und verlangt selbst unter Grind-Hörern weit offene Ohren. Der angenehm wilde Stilmix, das Faible für vertrackte Arrangements mit Polyrhythmik und die Zurschaustellung einer nahezu perfekten Symbiose aus brachial und anspruchsvoll kommt gut. „Ernia“ entpuppt sich als leckeres Debüt, das einfach nicht zu wachsen aufhören will – ein gewaltiges Versprechen für die Zukunft aus dem Süden Europas.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 07.12.2018
Erhältlich über: Dionea Recordings (Download-Album)

Facebook: www.facebook.com/ErniaTheBand

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Category: Magazin, Reviews

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