Ånd – Aeternus

| 31. Oktober 2016 | 0 Comments
Ånd

(c) Christian Alsan

Was ist eigentlich Post Black Metal? Vier Herren aus Berlin verstehen darunter die Verschmelzung der alten Schule mit krustig-doomiger Düsternis, Dissonanz und Blastbeats. Ånd gibt es erst seit Ende 2015, Musik und Präsentation fallen jedoch routiniert aus. Von Labelseite setzt es im Vorfeld eine Litanei an Vergleichen – Secrets Of The Moon, Der Weg einer Freiheit, Abest -, interessant ist aber letztlich nur, was sich auf Platte abspielt. Das Debütalbum „Aeternus“ macht definitiv Laune.

Über den Begriff ‚Album‘ lässt sich freilich streiten, denn 26 Minuten sind herrlich wenig und verlangen nach deutlich mehr, selbst bei mehrfachem Gebrauch der Repeat-Taste. Was jedoch zu hören ist, unterhält fast durchgehend. Die Art und Weise, wie sich Ånd zwischen den Stühlen bewegen, ringt Respekt ab. Bestes Beispiel für den latenten Wahnsinn der Berliner ist „Illusion“, dessen schroffe Blast-Action natürlich an die alte Black-Metal-Schule erinnert. Fragende, geradezu klagende Gitarren und melancholische Breaks mit Doom-Einschlag brechen allerdings herrlich krass mit den Erwartungen.

Ånd möchten einen gewissen Punk-Spirit in ihren Sound einbringen, was zumindest die für Post-Verhältnisse Kürze ihrer Tracks – ein einziges Mal wird die Vier-Minuten-Marke überschritten – erklärt. Vielleicht lässt sich Punk in diesem Fall als Anti-Haltung verstehen, als gekonntes Gegensteuern gegen die Norm. Der Opener „Auferstehung“ versteht sich blendend auf plötzliche Zäsuren, in „Schatten“ rumpelt es prima, unterstützt durch klaustrophobe Gitarrenarbeit. Ein einziges Mal, in „Dämmerung“, wagt sich das Quartett zu weit hinaus – vier formlos plätschernde, avantgardistische Instrumental-Minuten mit einem Sammelsurium an minimalistischen Soundeffekten wären, gerade ob der Kürze der Platte, nun wirklich nicht notwendig gewesen.

Dieser kleine Durchhänger bleibt aber nur eine Randnotiz, denn „Aeternus“ macht definitiv Bock auf weitere ähnlich gelagerte Großtaten. Klassischer Unterbau, schroffe Sprengsätze und immerwährende Finsternis mit einem Hauch Melancholie gestalten diesen Einstand zu einer kurzweiligen (und etwas zu kurzen) Monstrosität. Ånd sind ohne Frage auf dem richtigen musikalischen Weg und lassen auf mehr von diesem packenden, sympathisch zerstörerischen Mix hoffen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 04.11.2016
Erhältlich über: This Charming Man Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/Aandband

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Category: Magazin, Reviews

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