The Dear Hunter – Act IV: Rebirth In Reprise

| 6. Oktober 2015 | 0 Comments
The Dear Hunter

(c) Shervin Lainez

Es ist vollbracht. Sechs Jahre nach „Act III: Life And Death“ dürfen sich Fans der Indie-Progger The Dear Hunter endlich auf „Act IV: Rebirth In Reprise“ freuen. Die Jungs um Sänger und Mastermind Casey Crescenzo waren in den Jahren dazwischen allerdings alles andere als untätig. So lieferten die Amis mit der umfangreichen EP-Kollektion „The Color Spectrum“ (2011) und dem ersten Nicht-Konzeptalbum „Migrant“ (2013) weiterhin hochkarätige Kost ab. Aber insgeheim sehnte man sich weiterhin nach einer Weiterführung der insgesamt sechs Akte umfassenden Geschichte.

Wenn sich etwas wie ein roter Faden durch den Bandkatalog zieht, dann ist das der Hang zu Theatralik und orchestralem Bombast. Diese Note war in den letzten beiden Werken weniger präsent, kommt aber im neuen 15 Tracks umfassenden Opus mehr denn je zur Geltung. Den Anfang macht das von mehrstimmigen Gesangsharmonien und Streichern bzw. Bläsern dominierte „Rebirth“, ehe man es mit „The Old Haunt“ einen für The Dear Hunter typischen Rocker zu tun bekommt: eine perfekte Grandwanderung zwischen Indie Rock mit Pop-Appeal und bombastischem Prog.

Melancholisch geht es in der gefühlvollen Halbballade „Waves“ weiter, was wohl zum musikalisch Schönsten gehört, was der Sechser je fabriziert hat. Auch die folgenden „At The End Of The Earth“ und „Remembered“ schlagen in eine ähnlich wehmütige Kerbe und sorgen durch die ungemein stimmigen Backing-Chor- und Horn-Passagen zusätzlich für Gänsehaut. Besonderes Letzteres trumpft mit einem genialen cineastischen Flair.

Nach all dieser Gemütlichkeit kommt mit dem epischen „A Night On The Town“ wieder ordentlich Schwung in die Bude. Hier werden alle Qualitäten des Dear Hunter-Sounds zu einem harmonischen Ganzen vereint. Mitreißende Instrumentalpassagen treffen auf die wohl bis dato beste Gesangsleistung von Crescenzo, der im majestätischen Refrain zur Höchstform aufläuft. Eine über neunminütige Nummer so kurzweilig erscheinen zu lassen, verdient Respekt in hohem Maße.

Allein mit der ersten Hälfte lassen die Jungs den Großteil ihrer Genrekollegen verdammt alt aussehen. Aber auch in der zweiten Halbzeit ist kein Platz für Durchhänger. Für eine ordentliche Portion gute Laune und Tanzmaterial sorgen u.a. der straighte Piano-Rocker „The Squeaky Wheel“ und der überraschende Funk-Ausflug „King Of Swords (Revised)“.

Zweiteres wirkt zwar gerade nach dem bombastisch-verspielten „The Bitter Suite IV And V: The Congregation And The Sermon In The Silt“ und dem nachdenklichen „The Bitter Suite VI: Abandon“  etwas fehl am Platz, macht aber dennoch Spaß. Gegen Ende des Reigens tritt der Bombast mehr in den Hintergrund. Songs, wie die dezent folkige Ballade „The Line“ und das atmosphärische, durch elektronische Samples angereicherte „Wait“, hätten sich genauso gut in der „The Color Spectrum“-Sammlung finden können.

Ohne Untertreibung haben The Dear Hunter mit „Act IV: Rebirth In Reprise“ ein extrem vielschichtiges, musikalisches Meisterwerk abgeliefert, welches Prog-Fans mindestens genauso ansprechen sollte wie Indie- und Alternative-Rocker. Diese Rock-Oper mit Steampunk-Flair sollte man sich einfach nicht entgehen lassen. Bleibt nur zu hoffen, dass  die Jungs mit „Act V“ nicht wieder sechs Jahre auf sich warten lassen. Ganz großes Ohrenkino!

Wertung: 9/10

Erhätlich ab: 04.09.2015
Erhältlich über: Rude Records (Soulfood Music)

Website: www.thedearhunter.com
Facebook: www.facebook.com/therealTDH

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Category: Magazin, Reviews

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