Black Space Riders – Refugeeum

| 22. Juli 2015 | 0 Comments
Black Space Riders

(c) Hanno Endres

Seit der Veröffentlichung ihres eponymen Debüts 2010 haben sich Black Space Riders aus Münster an die Spitze des europäischen Space-Rock-Makrokosmos gekämpft. Nach dem opulenten, ausladenden „D:REI“ verlässt das Quintett den Weltraum kurzzeitig, um sich einem aktuellen Thema zu widmen – der Flüchtlingswelle. „Refugeeum“, eine Melange aus „refugees“ und „refuge“, behandelt die gesamte emotionale Bandbreite der Betroffenen zwischen Angst und Hoffnung, Vertreibung und Heimatssuche, Opfer und Täter, Eindringling und Heimatslosigkeit.

Begleitschreiben sind oft für ihre Übertreibungen und chiasmischen Tautologien berüchtigt. Im Falle von „Refugeeum“ bringt es dieser Text aber auf den Punkt, denn Black Space Riders verstehen es tatsächlich bei aller Komplexität eingängig zu bleiben. Da wäre beispielsweise das von einem zentnerdicken, kolossalen Riff getragene „Universal Bloodlines“. An zweiter Stelle dieses Albums platziert, gestaltet es sich viereinhalb Minuten lang extrem druckvoll und bissig, wird dabei von seinen beiden Sängern aber geradezu geschickt gen Stoner-artige Action und Ohrwurm-Melodien getragen.

Freilich liegt die Würze für dieses Quintett nicht in der Kürze: Black Space Riders sind für ihre ellenlangen, nie enden wollenden Tracks berühmt berüchtigt. „Run To The Plains“ ist mit einer Spielzeit von beinahe elf Minuten das unbestrittene Monster im Herzen dieser einstündigen Tour de Force. Längen gibt es kaum, dafür unwahrscheinlich präzisen Spannungsaufbau, mehrfache Explosionen und herrliche Jams zwischendurch.

Mit entsprechenden Werkzeugen beißt es sich durch das restliche Album. Der Rausschmeißer „Ritual Of Inner Strength“, eine herrliche Doom-Variation des gängigen Band-Sounds, zeichnet sich durch besondere Widerspenstigkeit aus, braucht aber fast zu lange, um in die Gänge zu kommen. Ähnliches gilt für „Melek’s Lament (Yazidi Tears)“. Textlich berührend und anspruchsvoll, kann die erste Hälfte des Songs weitestgehend abgeschrieben werden. Was danach aber folgt, ist eine besonders wuchtige Wand, der abermals demonstriert, wie heavy die Herren aus Münster sein können.

Zwar nicht makellos, wohl aber eine mehr als gelungene Variation des gängigen Duktus: Black Space Riders zeigen sich auf „Refugeeum“ abermals von ihrer Schokoladenseite und ringen ihrem vermeintlich etablierten Sound eine neue, unterhaltsame, ja geradezu unerwartete Facette ab. Zusätzliche Heavyness, Direktheit, Ohrwurm-Melodien und bärbeißige Produktion sorgen für ein angenehm anderes und doch vertrautes viertes Studioalbum, eine hörenswerte Erdung der bisherigen kosmischen Bemühungen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.07.2015
Erhätlich über: Black Space Records (Cargo Records)

Website: www.blackspaceriders.com
Facebook: www.facebook.com/BlackSpaceRiders

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Category: Magazin, Reviews

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