Babymetal – Babymetal

| 27. Mai 2015 | 0 Comments
Babymetal

(c) earMUSIC

Drei japanische Schulmädchen dominieren das Metal-Web: Anfangs als kuriose Youtube-Randerscheinung wahrgenommen, touren Babymetal nun um die Welt. Hinter diesem komischen Namen verstecken sich die 17jährige Sängerin Su-Metal und ihre zwei Jahre jüngeren Mitstreiterinnen Yuimetal und Moametal, die in die Hard-Rock-Division ihrer Girlgroup gecastet wurden. Zwischen modernem Metal und J-Pop angesiedelt, wird das Trio demnächst auch Österreich beehren. Nun erscheint das Debütalbum „Babymetal“ auch offiziell hier, und das mit zwei Bonus-Tracks sowie, als Teil der limitierten Auflage, einer Live-DVD.

Babymetal muss man gehört und gesehen haben, um sie zu verstehen. Ihre Videos fahren regelmäßig Klickzahlen jenseits der Millionenmarke ein, selbst Lady Gaga holte sich die drei Mädels und ihre prominente Backingband – Gitarrist Takayoshi Ohmura arbeitete unter anderem bereits mit Marty Friedman – einst als Support-Act auf Tour. Überzeugte Metaller sollten sich keineswegs mit Grausen abwenden, sondern ihre helle Freude am Wahnsinn von „Gimme Chocolate!!“ haben. Moderner Metal mit präzisen Soli trifft auf unwiderstehlichen Pop-Charme im Refrain. Im Bonus-Teil lassen die drei Mädels die Londoner O2 Academy mitsingen.

Trumpf dieses Albums ist seine Bandbreite. In „Doki Doki ☆ Morning“ treffen wütende, spitze Schreie auf kuriosen Girlgroup-Pop, „Iine!“ lässt ein Rap-Break auf ein martialisches Deathcore-Breakdown treffen und widmet sich schließlich wieder elektronischen Klängen. Enter Shikari lassen grüßen. „Onedari Daisakusen“ experimentiert mit Nu Metal und Zwischenrufen, die entfernt an Fred Durst erinnern. „Megistune“ hingegen kreuzt Power Metal mit Brees und anderen Deathcore-Schweinereien.

Dabei geht es bestenfalls sekundär darum, das Kuriositätenkabinett zu öffnen. Über weite Strecken wird hier verdammt starke Kost geboten. Für den Bonus-Track „Road Of Resistance“ konnten Babymetal sogar Herman Li und Sam Totman von DragonForce engagieren. Die hibbelige, herrlich überdrehte Power-Metal-Hymne ist kawaii as fuck. Im eröffnenden „BABYMETAL DEATH“ kommen die jungen Damen zwar kaum zu Wort, die aggressiven Attacken der zwischen Death und Thrash prügelnden Backingband macht dafür Laune. Außerdem schließt „Catch Me If You Can“ mit seinem Elektro-Metal-Crossover und den verschachtelten Drums die von The Mad Capsule Markets hinterlassene Lücke.

Vermutlich ist Babymetal eines jener Projekte, das man entweder liebt oder hasst. In punkto Unterhaltungswert können nur wenige mit den jungen Japanerinnen, die im Vorfeld dieses Projektes keineswegs mit Metal vertraut waren, mithalten. Musikalisch hält dieses Debütalbum ebenso die eine oder andere Überraschung parat. Zwischen kitschigen Pop-Momenten, Ballerburg und hymnischer Grandezza machen Babymetal Spaß. Langlebigkeit sucht man aber wohl vergeblich.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.05.2015
Erhätlich über: earMUSIC (Edel Music Distribution)

Website: en.babymetal.jp
Facebook: www.facebook.com/BABYMETAL.jp

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Category: Magazin, Reviews

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